Monatslied

Texte: Caroline Marti

So klingt das Monatslied
«Wer singt, betet doppelt» sagte bereits der alte Kirchenvater Augustinus – und Luther pflichtete ihm bei.
In der reformierten Kirche Münsingen wird gut gesungen und es ist eine Freude, diesen Gesang an der Orgel zu begleiten. Dennoch höre ich immer wieder Bemerkungen wie: «Ich konnte gar nicht singen.» «Das waren wieder unbekannte Lieder!»
Darum biete ich ab diesem Jahr an, in der Regel am ersten Sonntag des Monats das Monatslied zu üben. Ausnahmen sind möglich, darum beachten Sie die Ausschreibung im «reformiert.»
Jeweils vor dem Gottesdienst um 9.30 Uhr in der reformierten Kirche Münsingen
Alle sind herzlich willkommen.


Monatslied April 2021
Agios o Theos RG 234
Aus dem Kapitel «Anbetung und Lob» haben wir das «Trishagion», den Lobruf aus der griechischen Liturgie, als immer wiederkehrendes Lied für den Monat April gewählt. Leicht verändert findet sich der Text im Refrain des mittelalterlichen, von Martin Luther überarbeiteten Liedes «Mitten wir im Leben sind» RG 648: «Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarm dich über uns.» Als Anrufung Gottes findet das Lied seinen Platz zu Beginn des Gottesdienstes. Es kann sowohl Einleitung und Abschluss zu einem Gebet als auch den Rahmen zu einer Psalmlesung bilden. Nicht zu verwechseln ist dieser Gesang mit dem Sanctus aus der Messe.
Die beiden Oberstimmen zeichnen in Terzenparallelen einfache und leicht singbare Bogen, während sich die Bassstimme ohne selbständige Melodieführung vorwiegend auf den Hauptstufen bewegt.

Monatslied März 2021
Da wohnt ein Sehnen tief in uns Ru 077
In einer Welt mit Krieg, Streben nach Macht, Flucht, Angst und Pandemie wird das Sehnen tief in uns immer grösser. Es ist ein Sehnen nach Frieden und Freiheit, wenn wir sehen, wie Menschen, ja ganze Völker unterdrückt werden. Da ist ein Sehnen nach Heilung und Ganzsein in allem, was uns bedrückt und krank macht. Es ist ein Sehnen nach Glück, Liebe und Hoffnung für uns selber, für Menschen um uns herum, ganz nah und auch die weit Entfernten. Im Lied wird Gott direkt angesprochen: «Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir.» In den Versen heisst es immer wieder «…bitten wir.» Dieses bitten wir macht den Text zu einem Gebet. Mit dem Aufbau von Kehrvers und Strophen lässt sich das Gebet gut im Wechsel sprechen und uns bitten: «Sei da, sei uns nahe, Gott.»
Sowohl die Melodie als auch der ursprüngliche Text «There is a longing in our hearts, o Lord» stammen von der englischen Komponistin und Liturgin Anne Quigley. Sie schrieb dazu einen dreistimmigen Chorsatz mit Begleitung. Im rise up ist lediglich die einstimmige Fassung mit dem deutschen Text von Eugen Eckert abgedruckt.

Monatslied Februar 2021
Morgenglanz der Ewigkeit RG 572
Text und Melodie dieses Morgenliedes entstanden im 17. Jahrhundert, kurz vor J.S. Bachs Zeit. Der schlesische Dichter Christian Knorr von Rosenroth bediente sich einer bilderreichen barocken Sprache und schuf einige symbolische Bezüge. So weist der Morgenglanz der Ewigkeit auf Jesus hin – Licht vom unerschaffnen Lichte – der als Sohn Gottes die Nacht vertreiben soll, der Morgentau auf Gottes Dasein und die Gnadensonne soll sowohl im irdischen wie im himmlischen Leben scheinen.
Die Melodie geht auf eine Arie Johann Rudolf Ahles zurück und passt mit ihrem barocken Charakter wunderbar zum Text. Die heutige Fassung stammt aus dem Jahr 1704. Im Reformierten Gesangbuch ist der thüringische Kantor und Organist gut vertreten, finden sich doch unter seinem Namen sieben Liednummern. Bei genauem Hinschauen lässt sich erkennen, dass eine Melodie zu vier, eine andere zu zwei Texten verwendet wird. Nur gerade «Morgenglanz der Ewigkeit» hat eine eigene Melodie, welche die Frische des Morgenlichts und das Strahlen des ewigen Lichts zum Ausdruck bringt.
Nun, da ich diese Zeilen verfasse, ist unklar, ob wir im Februar singen dürfen. Aber die Musik wird sicher erklingen, und es lohnt sich, diese zu entdecken.

Monatslied Januar 2021
Nachdem dein Stern in Bethlehem erschienen RG 427
Weihnachten ist vorbei. Viele gute Wünsche zum neuen Jahr sind ausgesprochen worden.
Mitten in diese nachweihnächtliche Zeit stellt Georg Schmid mit seinen Liedversen Fragen, die wohl vielen aus dem Herzen sprechen. Wo bleibt das Licht des Sterns? Was dient uns eine Weihnachts-Botschaft aus vergangener Zeit? Ist alles vergessen in einer Welt voll Hass und Angst? Der Stern müsste doch über mir stehen, so dass sein Licht mir den Weg weisen könnte. Klage, Sehnsucht und Zweifel sprechen aus den ersten Versen.
Doch dann beginnt der Dichter zu bitten für die Menschheit, bitten um ein neues Weihnachten, hier und jetzt.
Die Melodie, von Maria Lohuus eigens für diesen Text komponiert, bietet einige steinige Stellen und verleiht so dem Text Nachdruck. Der Aufstieg zu Beginn bis zum Höhepunkt ist schier unerträglich, doch gegen Ende verbreitet sich eine wohltuende Entspannung.

Monatslied Dezember 2020
Be Still My Soul RU 256
Das Singen ist uns verboten. Ergibt es denn einen Sinn, ein Monatslied zu beschreiben?
Sei ruhig, meine Seele, sei ruhig.
Wie kann ich denn ruhig werden in dieser herausfordernden Zeit?
Meldungen von zahlreichen Neuinfektionen, Menschen in Spitalpflege, auf der Intensivstation beunruhigen mich.
Sei ruhig, meine Seele, sei ruhig.
Wem kann ich glauben?
Das Hören und Lesen von Nachrichten rund um die Pandemie ist zu einer Herausforderung geworden.
Sei ruhig, meine Seele, sei ruhig.
Was soll ich planen?
Heute darf man noch dies und jenes, über Nacht wird es verboten.
Sei ruhig, meine Seele, sei ruhig.
Wo bist du, Gott, in dieser Zeit?
Es ist ein Warten und Tappen im Dunkeln – ein Warten wie damals, vor 2000 Jahren.
Sei ruhig, meine Seele, sei ruhig.
Wiegend ist die Melodie, wohltuend, ruhig, tröstend.
Sei ruhig, meine Seele, sei ruhig und ruhe in den Armen des Herrn der Liebe.

Monatslied November 2020
Herr, du hast mich angerührt RG 733
Die Liedverse des norwegischen Kirchenlieddichters Svein Ørnulf Ellingsen sind voll des Danks und Lobes eines Menschen, der nach langer und schwerer Zeit der Krankheit genesen ist. Wie aktuell das doch ist! Viele Menschen erzählen von ihren Ängsten und Nöten während der Krankheitszeit, bedingt durch Covid-19.
Auch lässt einen der Text an Menschen in der Bibel denken, die krank waren und von Jesus geheilt wurden. Oft geschah diese Heilung durch eine Berührung wie Hand auflegen, Lippen und Zunge berühren. «Herr, du hast mich angerührt.»
Svein Ørnulf Ellingsen wusste wovon er sprach, als er die Liedstrophen schrieb, denn er litt schon früh und immer wieder unter Depressionen. Während der Leidenszeit wäre er nie bereit gewesen zu danken. Dazwischen aber, wenn ihm neue Tage leuchteten, wenn er wieder Halt gefunden hatte, dann war er bereit zu danken für Gottes Trost, sein Dasein und die neuen Quellen, die sich auftaten.
Jeder der vier Verse ist voller Bilder von Dunkel und Licht. Vom Leiden und wieder Aufstehen, von Trost und neuem Licht ist die Rede – naheliegend für den Monat November, da die Tage kürzer werden, wir aber wissen, dass es nach Weihnachten nach und nach wieder heller werden wird.
Am Ende der ersten Strophe schreibt Ellingsen: «Gott, du lebst, ich danke dir!» und in der vierten Strophe: «Gott, du lebst. Ich lobe dich!» Mit diesen Worten wird das Lied auch zu einem Auferstehungslied. Im reformierten Gesangbuch sind die Verse mit der Melodie der Osterlieder «Jesus, meine Zuversicht» und «Jesus lebt, mit ihm auch ich» abgedruckt. Mit der bekannten Melodie lässt sich dieser starke Text aus dem Norden, ins Deutsche übertragen von Jürgen Henkys, leicht singen.
Svein Ørnulf Ellingsen ist am Palmsonntag dieses Jahres im Alter von 91 Jahren gestorben.

Monatslied Oktober 2020
Halleluja RG 238
Der Lobruf «Halleluja» steht im alten Testament oft am Anfang und Schluss von Psalmen. Im frühen Christentum wurde er zum Lobruf an den auferstandenen Christus. So fallen dem Ruf zwei Bedeutungen zu.
Einerseits fordert er zu Beginn einer Psalmlesung zum Lobe Gottes auf. Dazu ist das Monatslied als Kanon bestens geeignet. Die Gemeinde singt beispielsweise ein- bis mehrstimmig den Lobruf als Einleitung zu Psalm 113: «Lobt, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn! Der Name des Herrn sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit.…» und beschliesst diese Lesung wiederum mit dem gesungenen Halleluja. Andererseits wird das Halleluja zum Lobgesang an Ostern und in der nachösterlichen Zeit.
Georg Friedrich Händel setzt den eindrücklichen Halleluja-Chor an das Ende des zweiten Teils seines Oratoriums «Messias», der von Christi Leiden, Auferstehung, Himmelfahrt und dem Pfingstwunder erzählt. Es ist ein grosses Jubeln von Chor und Orchester mit Pauken und Trompeten.
Im Oktober feiern wir Erntedank, eine weitere Gelegenheit Halleluja zu singen.

Monatslied September 2020
Lobe den Herrn, o Seele mein RG 61
Als Domkantor in Stendal und späterer Landeskirchenmusikdirektor und Leiter der Kirchenmusikschule in Greifswald hatte der 1926 geborene Manfred Schlenker stets engen Kontakt mit den Menschen, welche in der und für die Kirche tätig waren.
Zur Entstehung des Liedes zum bekannten Psalm 103 schreibt er: «Das Lied entstand Mitte der Sechziger Jahre anlässlich eines Familiengottesdienstes der Stendaler Domgemeinde. Unsere Katechetin wollte den Psalm 103 singen lassen, doch hielt sie das Lied Nun lob, mein Seel, den Herren für viel zu grossformatig für Kinder. Sie bat mich auf eine in der Christenlehre bekannte Melodie die wichtigsten Aussagen des Psalms singbar zu machen. Ich nahm die Bereimung eng am Original vor, die kurze Weise zwang zu äusserster Knappheit. Etwas später erfand ich zu dem kurzen Text eine eigene Melodie.»
Trotz der Beschränkung auf eine kurze Melodie, gelang es dem Autor, wesentliche Inhalte des Psalms in einer gut verständlichen Sprache wider zu geben. Im letzten Vers schliesst er seine Dichtung mit dem trinitarischen Lobpreis.
Die von ihm komponierte Melodie passt sich wunderbar dem Versmass an. Zudem überzeugt sie durch eine leichte Fröhlichkeit und betont so den Charakter des Psalms.

Monatslied August 2020
Lasst uns lobsingen / RG 341 Dank sei dir, Vater RG 340
«Melodie nach Ite missa est» steht als Quellenangabe unter den beiden liturgischen Gesängen. «Ite missa est» heisst «Geht, es ist Entlassung» und wird als Entlassungsruf am Ende der lateinischen Messe vom Diakon oder Zelebranten gesungen. Die Gemeinde antwortet mit «Deo gratias», «Dank sei Gott, dem Herrn». Die freie Übersetzung von «Ite missa est», welche schon eher eine Interpretation ist, lautet: «Gehet in Frieden». In der Osterzeit folgt beiden Gesängen ein zweifaches Halleluja.
Wenngleich die Texte in unserem Gesangbuch bei den Nummern 340 und 341 nicht das «Ite missa est» aufnehmen, so handelt es sich dennoch um Schlussgesänge, in welchen die Gemeinde um Gottes Begleitung im Alltag bittet. Beide stehen sowohl im römisch-katholischen als auch im christkatholischen Gesangbuch und eignen sich daher auch für ökumenische Gottesdienste.

Monatslied Juli 2020
Herr, ich komme zu dir ru 176
Herr, Gott, Vater – wie wir ihn auch nennen mögen, er ist immer da für uns. Wir können jederzeit zu ihm gehen.
Wenn ich diesen Liedtext lese, kommen mir nicht als erstes die angegebenen Quellen wie Klagelieder 3,26 und Psalm 130 in den Sinn. Vielmehr ist es das Gebet des Bruder Klaus, an welches mich die Worte «Was mich hindert, ganz bei dir zu sein, räume aus» von Albert Frey erinnern. Frey wurde 1964 bei Ravensburg geboren. Er ist ein deutscher Sänger und Songwriter christlicher Popmusik. In seinem Text nimmt er weiter Bezug auf das erste Buch der Könige 8,54–66 und auf 2. Chronik 16,9 «Denn des HERRN Augen schauen alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.», wenn er schreibt «Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz.»
Ich verstehe das Lied als gesungenes Gebet. Für eine ruhige Gebetshaltung sorgen sowohl die vorwiegend linear verlaufende Melodie, als auch der ruhig schwingende Rhythmus im 6/8 Takt.

Monatslied Mai und Juni 2020
Jubilate, Everybody ru 050
Im November letzten Jahres haben wir die Monatslieder für das laufende Jahr ausgewählt. Damals wusste noch niemand, wie eine Krankheit unser Leben verändern würde. Alles ist anders, vieles ist ungewiss.
«Jubilate, everybody» – so stellten wir uns vor, dass an den Konfirmationen gesungen werden würde. Können sie denn stattfinden? Dürfen die Konfirmandinnen und Konfirmanden wie geplant mit ihren Familien feiern? So vieles ist in Frage gestellt.
«Jubilate, everybody», jubelt, alle miteinander. Ist uns überhaupt nach Jubeln zumute, ein Worship-Lied – zu Deutsch ein Anbetungslied – zu singen? Der Text des aktuellen Monatslieds basiert auf dem Psalm 100, einem Danklied. «Ein Psalm. Zum Dankopfer. Jauchzt dem HERRN, alle Lande! Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel! Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide. Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen! Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.»
Ich denke an die Lieder Paul Gerhardts. Erlebnisse von Krieg, Pest und Pocken verarbeitete Gerhardt in Liedtexten mit dem Ziel, den Menschen neuen Mut und neue Hoffnung zu schenken. Mut und Hoffnung brauchen auch wir. Darum lasst uns der Aufforderung folgen und Gott jubeln: «Jubilate, everybody, jubilate Deo.»

Monatslied April 2020 (ab Ostern)
Das Weizenkorn ru 040
Von Samen, Senfkorn und Weizenkorn lesen wir in den Gleichnissen Jesu. In Liedern wird von Samen, Senf- und Weizenkorn gesungen. Ich denke da an das Passionslied «Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt». Am Schluss der letzten Strophe wird mit den Worten «…der dritte Tag erschien» auf Ostern hingewiesen.
Genauso ist auch das Lied «Das Weizenkorn» aufgebaut. Das Korn fällt in die Erde, muss dort sterben damit neues Leben entstehen kann. Die Vergleiche gehen weiter mit dem Weizenkorn, das in die Mühle fällt, zu Brot verarbeitet wird und so zu einem Grundnahrungsmittel wird, zu einem Lebensmittel. Auch dieses Lied endet mit der Hoffnung auf Auferstehung vom Tod.
Musik und Text kommen aus Brasilien. Der Textdichter Armindo Travisan (*1933) studierte Theologie in Brasilien und anschliessend Philosophie in der Schweiz. Bettina Lichtler übersetzte 2012 seinen Text «Se o grão não morrer debaixo a terra» ins Deutsche. So wurde er mit der brasilianischen Melodie, einem Samba, in das rise up plus von 2015 aufgenommen.

Monatslied März 2020
Dein König kommt in niedern Hüllen RG 371
Dieses Gedicht von Friedrich Johann Michael Rückert (1788–1866) wurde 1841/42 erstmals in ein Gesangbuch aufgenommen. Zwar steht es im reformierten Gesangbuch bei den Adventsliedern, spricht jedoch in der ersten Strophe klar den Einzug Jesu in Jerusalem an. Der Dichter spricht zum Volk und fordert es auf, Jesus mit Friedenspalmen zu empfangen. In den weiteren Versen wird Jesus angesprochen. Er wird als der Friedefürst besungen, wie ihn Jesaja (9.5) verheissen hat. Er schafft Frieden, kämpft ohne Gewalt, als einzige Waffe hat er Worte des Glaubens.
Rückert war ein Sprachgenie und beherrschte 44 Sprachen. Seine Gedichte wurden vielfach von namhaften Komponisten vertont. Sehr bedeutend sind die «Kindertotenlieder», die Gustav Mahler komponiert hat.
Melodie und Satz stammen von Eduard Hille (1822–1891). Während die Melodie die Form aabccd aufweist, weicht der Satz bei den wiederholten Zeilen ab. Singt man das Lied wie vorgegeben alla breve, ist die Freude über das Kommen des Herrn, sei es im Advent oder an Palmsonntag, deutlich zu spüren.

Monatslied Februar 2020
Vater, unser Vater ru 102
Ein Jünger bat Jesus: «Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat.» Das Gebet, das daraufhin Christus seine Jünger lehrte, hat zwei unterschiedliche Anfänge. Während wir in der evangelisch-reformierten Kirche beten «Unser Vater im Himmel», beginnen die lutherische, die ökumenische und die römisch-katholische Fassung mit «Vater unser im Himmel». Dieses moderne Lied zum Gebet wird mit dem Beginn des Refrains allen Fassungen gerecht, indem der Text lautet: «Vater, unser Vater».
Christoph Zehendner hat sich erlaubt, vom biblischen Wortlaut Abstand zu nehmen und die Bitten neu zu formulieren. Dies kann durchaus Anregung sein, über die Bitten, die wir in jedem Gottesdienst beten, neu nachzudenken, sie bewusster werden zu lassen.
Dass das Gebetslied aus Strophen und Refrain besteht, ist ungewohnt. Zahlreiche andere Vertonungen folgen dem Text aus der Bibel. Es ist sicher empfehlenswert, zwei oder drei Strophen nacheinander zu singen und dann erst in den Refrain einzustimmen. Das Lied kann in der Liturgie gut an Stelle des gesprochenen «Unser Vater» stehen.

Monatslied Januar 2020
Singt dem Herrn ein neues Lied! ru 008
Mit diesem Kanon starten wir die Reihe der Monatslieder für das Jahr 2020.
Thord Gummesson (*1930) schrieb die Musik mit dem englischen Originaltext «Spring, spring, spring – like all the birds that sing». Aus dem weltlichen Frühlingslied schuf der Zürcher Kantor Beat Schäfer 1993 ein geistliches Lied, indem er der Melodie einen Text nach Psalmversen unterlegte. All diesen Versen ist eines gemeinsam: «Singt dem Herrn ein neues Lied!»
Bereits früh in der Geschichte der Kirchenlieder pflegte man die Praxis, aus weltlichen Liedern geistliche zu schaffen, so wurde beispielsweise aus dem Tanzlied «A lieta vita» von Giovanni Giacomo Gastoldi bereits am Ende des 16. Jh. das Kirchenlied «In dir ist Freude». Noch weiter zurück, nämlich um 1505, wurde aus dem Lied «Innsbruck, ich muss dich lassen» aus dem 15. Jh. das geistliche Lied «O Welt, ich muss dich lassen».
Zurück zum Psalm-Kanon «Singt dem Herrn ein neues Lied!» Zu dem dreistimmigen Kanon schrieb Gummesson ein Ostinato, eine Melodie, die als Bassstimme durch das ganze Lied hindurch trägt mit den Worten «Lobet und preiset den Herrn, danket und dienet ihm gern.»
Ich lade Sie herzlich ein, dieses Lied kennen zu lernen, und zwar vor dem Gottesdienst am Sonntag, 5. Januar, um 9.30 Uhr in der Kirche Münsingen.
Bereitgestellt: 30.03.2021     Besuche: 24 Monat
 
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