Monatslied Mai
Dein Geist weht, wo er will RUP 177
In Pfingstliedern wie dem Pfingsthymnus «Veni Creator Spiritus», «Komm, Heiliger Geist» oder «Nun bitten wir den Heiligen Geist» wird um das Kommen und um die Gegenwart des Heiligen Geistes gebetet. Im aktuellen Monatslied wählt der Textdichter Wolfgang Poeplau (*1950) einen andern Weg. Er beschreibt den Geist Gottes nicht nur als erbetene Kraft, sondern zeichnet ein vielschichtiges Bild von ihm. Dieser Geist kennt keine Grenzen und spricht alle Sprachen, er ist Antrieb für die Liebe, Quelle von Kreativität und Erneuerung, er weckt Hoffnung.
Die sehr schlichte Melodie stammt vom Komponisten und Musikpädagogen Ludger Edelkötter (1940–2022). In Deutschland wurde er vor allem durch seine Musicals bekannt, die er mit seiner Gruppe «Impulse» auf Kirchentagen aufführte, zudem gilt er als prägende Persönlichkeit des Neuen Geistlichen Liedes (NGL). Im «rise up PLUS» ist Edelkötter durch die Lieder «Kleines Senfkorn Hoffnung», «Weisst du, wo der Himmel ist» und «Wenn einer alleine träumt» vertreten.
Monatslied April 2026
O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit RG 480
Mit dieser fröhlichen Musik aus dem 17. Jahrhundert wird der Freude über die Auferstehung Christi Ausdruck verliehen. Triumphierend sind Anfang und Ende der Strophen, tänzerisch ist der Mittelteil.
Dass dieselbe Musik auch im Pfingstlied «O Heiliger Geist, o heiliger Gott» erklingt, kann kein Zufall sein.
Der Lehrer und Kirchenlieddichter Cyriakus Günther (1650–1704) gestaltet mit seinem Text analog zur Musik einen Rahmen, indem er jede Strophe mit den Worten «O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit» anfängt und abschliesst. Dazwischen erzählt er, wie Schuld getilgt und Leid und Tod überwunden sind. Jubel, Dankbarkeit und Vertrauen prägen die Strophen. Nicht über biblische Lehrsätze schreibt er, sondern von ganz persönlich erlebter Nähe zu Gott, aus welcher er Hoffnung und Frieden schöpft. Darin erkennt man seine Zugehörigkeit zur pietistischen Bewegung.
Im letzten Vers bittet Günther: «O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. Erhalt uns, Jesu, diese Freud, zu sagen hier zu aller Stund und dort einmal mit frohem Mund: O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit.»
Monatslied März 2026
Du schöner Lebensbaum des Paradieses RG 454
Das Lied hat seinen Ursprung in Ungarn und Rumänien. Der Frankfurter Stadtjugendpfarrer Dieter Trautwein und Vilmos Gyöngyösi schrieben den Text 1974 nach der ungarischen Fassung «Paradicsomnak te szép élö fája» von Imre Pécseli Király (♱ um 1641). Das Kreuz wird als Lebensbaum des Paradieses bezeichnet und bezieht sich hier auf Jesus. In den ersten Versen geht es, wie in vielen alten Passionsliedern, um Jesu Leiden und Sterben um uns von unsern Sünden zu erlösen. In den weiteren Strophen werden die Bereitschaft zu Verzeihen, unser eigenes Sterben und schliesslich der Dank an Gott thematisiert.
Im ungarischen Original hat das Lied zwanzig Strophen. In vielen davon klingen Jesusworte an wie «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun» und «Wahrlich, ich sage dir: heute noch wirst du mit mir im Paradies sein».
Die Herkunft der Melodie wird mit Klausenburg 1744 angegeben. Heute liegt die Stadt im rumänischen Siebenbürgen, davor gehörte sie zu Ungarn.
Die Melodie verläuft sehr linear und rhythmisch mit dem immer gleichen Muster. Sie mutet melancholisch an.
Monatslied Februar 2026
Meine engen Grenzen RUP 060
Mit diesem Text verfasste der deutsche Pfarrer Eugen Eckert (*1954) ein Gebet im Lied. Im Gebet bringt er so vieles vor Gott: unsere engen Grenzen, die kurze Sicht, Ohnmacht, Ängstlichkeit, verlorenes Zutrauen, die tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit. Gleichzeitig bittet er Gott, diese belastenden Gefühle zu wandeln in Weite, Stärke, Wärme und Heimat. Am Ende jedes Verses steht die Bitte: «Herr, erbarme dich».
Eckert pflegte eine enge Zusammenarbeit mit dem deutschen Organisten und Komponisten Winfried Heurich (*1940), der die Melodie zu diesem Lied schrieb. Zu Beginn steigt die Melodie in ruhigem Rhythmus ab. Sie macht eng, zieht hinunter, hat keine Bewegung mehr. Im Mittelteil wird der Rhythmus unruhig, drängend, nervös. Die Melodie bewegt sich auf den Worten «bringe ich vor dich» aufwärts, öffnet. Und schliesslich steigt sie wieder ab, mit dem gleichen Motiv wie am Anfang, hier aber höher gelegen und darum offener und weiter. Auf den Worten «Herr erbarme dich» kehrt sie zum Grundton zurück, beruhigend, tragend. «Kyrie eleison.»
Monatslied Januar 2026
Herr der Stunden, Herr der Tage RG 553
Der gebürtige Berner Schriftsteller und Lyriker Hermann Hiltbrunner schrieb im Jahr 1945 den Text «Herr der Stunden, Herr der Tage». Europa war gezeichnet vom 2. Weltkrieg. Aus dem Leid der Gegenwart schaut der Dichter in die Zukunft. Mit jeder Strophe öffnet er die Sicht weiter von den Stunden über die Tage, die Jahre bis in alle Zeiten.
Die Melodie des Schweizer Komponisten Albert Moeschinger bewegt sich sehr linear, der Rhythmus weist einzig zwei Notenwerte auf. Die regelmässige Bewegung der Viertel kann im ersten Vers als Ticken der Uhr verstanden werden, im weiteren Verlauf aber auch als Schreiten, ein Weitergehen in die Zukunft. Ein Stehenbleiben gibt es nur «in deiner (Gottes) Hand» und auf dem «festen Land», auf «aller Ziele Ziel» und auf «Herr der Welt».
Sowohl Text als auch Melodie können uns Mut machen weiter zu gehen – ins neue Jahr, in dieser Welt.
Monatslied Dezember 2025
Wie soll ich dich empfangen RG 367
Ein Adventslied für den Monat Dezember. Nur ein Adventslied? Klar ist, dass es im Text von Paul Gerhardt um eine Ankunft geht, die Ankunft Jesu als Erlöser, als kleines Kind. Ebenso deutlich wird in der zweiten Strophe, dass es um die Ankunft Jesu am Palmsonntag in Jerusalem geht. «Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin.» In der ersten Strophe findet sich der Bezug zum Gleichnis der klugen und törichten Jungfrauen, wenn es heisst: «O Jesu, Jesu, zünde mir selbst die Fackel an.»
Die Melodie des Kirchenmusikers, Philosophen und Theologen Melchior Teschner war ursprünglich mit dem Buss- und Sterbelied «Valet will ich dir geben» verbunden. Mit ihrem grossen Tonumfang stellt sie hohe Anforderungen an Sängerinnen und Sänger. Diese grosse Spanne wird bereits im Aufstieg während der zwei ersten Takte erreicht. Im zweiten Teil bewegt sich die Melodie abschnittweise zurück zum Grundton, was eine starke Entspannung spüren lässt.
Monatslied November 2025
Ja, ich will euch tragen RG 746
Ein Gedicht von Jochen Klepper begleitet uns durch den November mit den kürzer werdenden Tagen, Nebel und Stürmen. Auch das Leben des deutschen Theologen, Journalisten und Schriftstellers war geprägt von Stürmen. Klepper vermählte sich 1931 mit der jüdischen Witwe Johanna Stein, welche zwei Töchter mit in die Ehe brachte. Dies wurde von seiner Familie nicht akzeptiert. Nach einem Jahr Einsatz in der Wehrmacht wurde er wegen seiner jüdischen Ehefrau aus der Wehrmacht entlassen, die Ehe sollte zwangsweise geschieden, Frau und Töchter deportiert werden. Im Dezember 1942 entschied sich die Familie, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden.
Das Gedicht mit Zitaten aus Psalmen und dem Buch Jesaja schrieb Klepper vier Jahre davor. Durch alle sieben Verse zieht sich die Zusage von Gott, dass er seinem Volk immer nahe sein will, dass er Menschen, die ihm vertrauen, tragen will, jetzt und ewig.
Die schlichte Melodie und den Satz schrieb Samuel Rothenberg, ebenfalls Theologe und Komponist.
Monatslied Oktober 2025
Höchster, allmächtiger und guter Herr RUP 108
Dem Sonnengesang des Franz von Assisi begegnen wir in verschiedenen Liedern. Alleine im reformierten Gesangbuch gibt es drei davon: «Gottes Geschöpfe, kommt zu Hauf», «Herr, dich loben die Geschöpfe» und «Laudato si» auf einer mündlich überlieferten Melodie. Im rise up plus sind es deren zwei: «Laudato si» auf einer Melodie unbekannter Herkunft und unser Monatslied.
Überraschen mögen Herkunft und Geschichte der Melodie. Geschrieben hat sie der italienische Filmkomponist Riz (Riziero) Ortolani. Unter anderen schrieb er den Soundtrack zum Film «Old Shatterhand».
Die Melodie unseres Monatsliedes ist dem Film «Fratello sole, sorella luna» entnommen. Die Hauptfigur Francesco kehrt krank aus dem Krieg zurück. In seinen Fieberträumen plagen ihn Gewissensbisse wegen seines bisherigen Lebensstils. Nach seiner Genesung hält er sich tagelang in der Natur auf, versinkt in Gedanken über den Sinn des Lebens und beschliesst, dem Reichtum den Rücken zu kehren und sein Leben in Armut zu verbringen.
Die Geschichte entstand in Anlehnung an das Leben des Franz von Assisi. Wunderbare Aufnahmen zeigen die Schönheit der Natur. Die Musik verleiht dem Film eine berührende Melancholie.
Wie der Sonnengesang, so ist auch das Lied im Film ein Lob auf Gott, der das Universum erschaffen hat.
Im ImPuls-Gottesdienst vom 2. November, 17 Uhr, wird die Originalfassung des Liedes gesungen. Thema: Psalm 18, 19–20: «Der Herr wurde mein Halt. Er führte mich hinaus ins Weite.»
Monatslied September 2025
Masithi Amen RUP 124
Im östlichen Teil der südafrikanischen Provinz Eastern Cape liegt die Transkei, eine Region mit grossen Flächen unberührter Natur und den traditionellen Xhosa-Dörfern. In dieser Gegend lebte Stephen Cuthbert Molefe (1917–1987). Als Musiker und Chorleiter bot er Kompositionsworkshops an. Seine Lieder notierte er nicht in unserer heute bekannten Notenschrift, sondern in «Tonic sol-fa», einer Form der Solmisation wie das «dor re mi».
Von ihm stammt unser Monatslied «Masithi Amen». Masithi steht als Bestätigung, wie unser Amen, so sei es. Auf den ersten Blick sieht es aus, als hätte das Lied fünf Strophen. In Wirklichkeit ist es aber nur eine Strophe in den fünf Sprachen Xhosa, Deutsch, Englisch, Spanisch und Indonesisch. Es ist ein Loblied, das auch als Refrain zu einer Psalmlesung gesungen werden kann.
Für eine Gottesdienst-Gemeinde ist es durchaus machbar, den einfach gehaltenen vierstimmigen Satz zu singen. Darum lade ich dazu ein, das Lied am ersten September-Sonntag vor dem Gottesdienst zu lernen. Sonntag, 7. September, 9.15 Uhr, Kirche Münsingen
Monatslied August 2025
Wenn du singst, sing nicht allein RUP 192
Die zentrale Aussage in diesem Lied ist, dass du weder singen noch sprechen und hören, weder weinen noch lachen, noch glauben alleine tun sollst.
Das kann einerseits bedeuten, dass du dies alles so intensiv tun sollst, dass du damit andere ansteckst, denn singen, sprechen, hören, weinen, lachen und glauben kann Kreise ziehn. Andererseits will uns der Textdichter vielleicht auch sagen, dass alles Schöne noch viel schöner wird und eine viel grössere Kraft erhält, wenn man es gemeinsam mit andern tut, und alles Schwere in Gemeinschaft leichter zu tragen ist.
Für mich stellt sich die Frage, warum dieses Lied in einem kirchlichen Liederbuch Platz gefunden hat. Wo ist denn Gott? Wäre da nicht die letzte Strophe, wo der Glaube angesprochen wird, wäre es ein rein weltliches Lied.
Text und Melodie stammen von Heinz-Georg Surmund. Während seiner langjährigen Tätigkeit als Pfarrer hat er für Gottesdienste mit Familien und Studierenden sowie für Gruppen in der spirituellen Bildungsarbeit zahlreiche Lieder geschrieben.
Der Rhythmus in den Strophen ist, wie bei so vielen Liedern im rise up, geprägt von der vorgezogenen Eins. Der Refrain dagegen besteht aus viermal demselben einfachen rhythmischen Motiv: zwei Viertel, eine Halbe. Damit verbunden ist der Text: «Zieh den Kreis nicht zu klein, zieh den Kreis nicht zu klein!».
Monatslied Juli 2025
Dass Erde und Himmel dir blühen RG 734
Unser Gesangbuch ist in sechs Kapitel gegliedert, welche wiederum in mehrere Unterkapitel aufgeteilt sind. Im Kapitel «Gottesdienst im Lebenskreis», und dort im Unterkapitel «Auf dem Weg des Lebens», steht gleich zu Beginn der Text von Kurt Rose «Dass Erde und Himmel dir blühen ». Herbert Beuerle schrieb dazu eine Melodie, die im Kanon gesungen werden kann. Ein Geburtstagskanon soll dies sein. Das ist durchaus denkbar. Ich sehe aber weitere Möglichkeiten, all diese guten und grossen Wünsche einander zuzusingen.
Erde und Himmel sollen dir blühen. – Einen grösseren Raum als jenen zwischen Erde und Himmel gibt es kaum. Also soll dir alles blühen, das ganze Weltall.
Freude soll grösser sein als Mühen. – Was für ein schöner Wunsch! Doch hängt es wohl sehr von mir selbst ab, wie ich Freude und Mühen im Verhältnis erlebe. Sehe ich die Freuden? Oder lege ich mein Augenmerk vor allem auf die Mühen?
Zeit für Wunder soll dir bleiben. – Auch da ist es in meinem Ermessen, wie viel Zeit ich mir nehmen will, Wunder zu sehen und wahrzunehmen.
Frieden für Seele und Leib! – Da fängt Frieden an, ganz tief in mir drin. In meiner Seele. Je mehr Frieden ich in mir fühle, umso mehr Frieden kann ich hinaustragen, so dass er Kreise zieht, wie ein Stein, den ich ins Wasser werfe.
Roses Text passt also nicht nur an eine Geburtstagsfeier, sondern sehr gut in den Sendungsteil des Gottesdienstes.
Monatslied Juni 2025
Gott liebt diese Welt RG 279
Nach seinem Einsatz bei der Kriegsmarine und amerikanischer sowie britischer Kriegsgefangenschaft begann Walter Schulz (1925–2009) ein Studium in Philologie und Anglistik,
das er bald wieder abbrach. An der Kirchlichen Hochschule Hamburg, in Erlangen, Zürich und Kiel studierte er Theologie. Während seiner Amtszeit als Jugendpastor dichtete er zahlreiche geistliche Lieder. Im Jahr 1962 schrieb er Text und Melodie des Liedes «Gott liebt diese Welt» als Hoffnungslied für einen kirchlichen Jugendtag in der damaligen DDR, nachdem 1961 die Mauer in Berlin gebaut worden war.
Die erste und letzte Strophe des Liedes sind identisch. Da steht die Zusage, mit welcher jede Strophe beginnt: «Gott liebt diese Welt». Zugleich steht da aber auch ein Auftrag an uns: «Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen».
In den sechs Versen dazwischen geht es um Gottes Handeln, um die Schöpfung, die Rettung seines Volks aus Ägypten, um die Geburt, das Sterben und die Auferstehung Jesu, sowie sein Wiederkommen für die ganze Welt.
In kurzen klaren Sätzen stellt Schulz hier Gottes Taten gegen die Taten der Mächtigen der Welt, die sich fest in den Kopf gesetzt hatten, eine vollkommene Welt zu schaffen.
Durch Wiederholung und Spiegelung von Motiven erhält die Melodie eine Eindringlichkeit, die den Worten Nachdruck verleiht. Der letzte Takt wirkt wie eine Bestätigung des Gesungenen.
Monatslied April/Mai 2025
Du bist heilig RUP 081
Bis Karfreitag wird das Lied vom März « Wie lange willst du mein’ vergessen» weiterhin in jedem Gottesdienst gesungen. Ab Ostern bis Ende Mai wird ein Sanctus aus Schweden unser Monatslied sein. Der Titel im rise up PLUS ist «Du bist heilig». Den schwedischen Text und die Melodie mit den Harmonien hat Per Harling, ein schwedischer Priester, Schriftsteller und Komponist verfasst. Der evangelisch-lutherische Pastor und Liedermacher Fritz Baltruweit übertrug den Text ins Deutsche.
Das Lied ist zweiteilig, und jeder Teil hat sein rhythmisches Motiv, das immerfort wiederholt wird. Die beiden Teile können auch gleichzeitig gesungen werden.
Als Quellen zum Text werden verschiedene Bibelstellen angegeben:
Psalm 99 hebt im Unterschied zu andern Psalmen, die Gott als den König preisen, seine Heiligkeit hervor. Dreimal ist der Satz zu lesen: «Denn er ist heilig.»
In Jesaja 6 geht es um die Berufung Jesajas zum Propheten. Jesaja sieht den Herrn, und über ihm Serafim, jeder mit sechs Flügeln. Einer ruft dem andern zu: «Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.»
In Offenbarung 4 wird der Seher Johannes vom Geist in den Himmel entrückt. Dort sieht er vier Gestalten, jede mit sechs Flügeln, die sprechen: «Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.»
Im Liedtext – er sollte unbedingt auch gelesen werden, ohne ihn zu singen, da der Rhythmus an einigen Stellen den Zusammenhang zerreist – wird betont, dass Gott im Geist unter uns lebt.
Mit dem Hinweis auf Brot und Wein empfiehlt es sich, dieses Sanctus in der Abendmahlsliturgie zu singen. Es kann aber ebenso als Loblied eingesetzt werden.
Monatslied März 2025
Wie lange willst du mein' vergessen RG 10
Der Text dieses Psalmliedes stammt aus der Feder Helmut Lamparters, einem evangelischen Theologen, Schriftsteller und Dichter. In seinem vom zweiten Weltkrieg geprägten Leben fand er Trost und Zuversicht im Glauben an Gott. Als Schriftsteller verfasste er einige Kommentare zu biblischen Büchern wie Ruth, Hiob, Prediger, Hohelied und weiteren. Den Psalter gab er unter dem Titel «Wecken will ich das Morgenrot» in Gedichtform heraus. Dieser Sammlung ist der Text unseres Monatsliedes entnommen.
Lamparter bleibt mit seiner Dichtung nahe am Text des 13. Psalms, einem Klagepsalm. Allerdings ist die Klage des Beters nur in den Versen 1 und 2 zu erkennen. «Wie lange willst du mein’ vergessen, warum erhörst und hilfst du nicht? … Wie lange muss ich Schmerzen tragen in meiner Seele Tag für Tag?» Da hadert der Beter mit Gott. Aber er verharrt nicht in der Klage. In den Versen 3 und 4 wendet er sein Klagen in Bitten: «Gott, sende deines Lichtes Strahl. Erhör mich, denk an dein Versprechen.» Im letzten Vers spricht er gar vertrauensvoll zu Gott: «Ich weiss, du wirst nicht lang mehr schweigen, die Hilfe ist schon vor der Tür.»
Die Melodie ist aus dem Genfer Psalter und hat die typischen Merkmale der sehr linearen Melodieführung, der Beschränkung auf nur zwei Notenwerte und der Pausen am Ende jeder Choralzeile. Zu finden ist sie bei drei weiteren Liedern im Gesangbuch. Das wohl bekannteste darunter ist «O dass doch bald dein Feuer brennte».
Monatslied Februar 2025
Schenk uns Zeit RUP 191
«Schenk uns Zeit aus deiner Ewigkeit.»
«Schenk uns Zeit, Zeit zum Nehmen und Geben,
zum Miteinanderleben.»
«Schenk uns Zeit, Zeit zum Trinken und Essen und
um keinen zu vergessen.»
So bittet der Liederdichter Rolf Krenzer (1936–2007) im Kehrvers und in den zwei ersten Strophen.
Kohelet teilt mit uns in seinem Zeitgedicht (Kapitel 3) ganz eigene Gedanken zum Thema Zeit. «Für alles gibt es eine Stunde, und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel.» Folgen lässt er eine lange Aufzählung von Gegensätzen, darunter: «Zeit zum Gebären, Zeit zum Sterben; Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen; Zeit zum Lieben, Zeit zum Hassen; eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.» Über all dem steht die Frage: «Wie finde ich das Glück in meinem Leben?»
Krenzer fasst im dritten Vers seines Liedes alles zusammen: «Zeit zum Beten, Zeit zum Klagen, Zeit, dir, Gott, auch Dank zu sagen.» Viele Bitten sind in diese Liedstrophen gepackt. Es wirkt wie ein Wunschzettel für das Geschenk Zeit. Doch mit diesem Geschenk sorgsam umzugehen, ist eine grosse Herausforderung. Was tun wir damit? Wie setzen wir Prioritäten? Gestalten wir die uns geschenkte Zeit bewusst? Setzen wir sie sinnvoll ein? – Sind die Bitten im Lied gar so zu verstehen, dass Gott uns dabei helfen soll, die Zeit richtig einzusetzen?
Das Lied, und was es für Gedanken anstösst, passt zum Thema des Kirchensonntags am 2. Februar: «Sinn finden in meinem Tun.» «Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben – aber den Tagen mehr Leben.»
Monatslied Januar 2025
Wie schön leuchtet der Morgenstern RG 653
Eine der bekanntesten Kirchenlied-Melodien begleitet uns durch den ersten Monat des Jahres.
Nicolai verfasste ein Liebeslied an Jesus und bediente sich dafür zahlreicher Bilder. So beschreibt er Jesus als Morgenstern, süsse Wurzel Jesse, Davids Sohn, König und Bräutigam, als Perle, werte Kron, Blümlein und Jaspis. In späteren Überarbeitungen kam das Kleinod hinzu, wie es jetzt auch in unserem Gesangbuch steht. Diese tiefverwurzelte Liebe und der starke Glaube sind bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Nicolai die Verse in der Zeit geschrieben hat, in der täglich Menschen von der Pest dahingerafft wurden. Der Morgenstern steht als Zeichen der Hoffnung. Er leuchtet im tiefsten Winter, in dunkelster Nacht, und kündigt den neuen Morgen an.
Auch die Melodie stammt aus Nicolais Feder. Sie ist schlicht und eingängig. Komponisten wie Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Max Reger waren davon so angetan, dass sie darüber kleine und grosse Werke schrieben.
Zum Hören empfohlen: J.S. Bach: Kantate BWV 1, D. Buxtehude: Choralfantasie BuxWV 223; M. Reger: Choralfantasie op. 40,1 und Orgelchoral op. 67