Monatslied

Texte: Caroline Marti

So klingt das Monatslied
«Wer singt, betet doppelt» sagte bereits der alte Kirchenvater Augustinus – und Luther pflichtete ihm bei.
In der reformierten Kirche Münsingen wird gut gesungen und es ist eine Freude, diesen Gesang an der Orgel zu begleiten. Dennoch höre ich immer wieder Bemerkungen wie: «Ich konnte gar nicht singen.» «Das waren wieder unbekannte Lieder!»
Darum biete ich ab diesem Jahr an, in der Regel am ersten Sonntag des Monats das Monatslied zu üben. Ausnahmen sind möglich, darum beachten Sie die Ausschreibung im «reformiert.»
Jeweils vor dem Gottesdienst um 9.30 Uhr in der reformierten Kirche Münsingen
Alle sind herzlich willkommen.


Monatslied Juli
Herr, ich komme zu dir ru 176
Herr, Gott, Vater – wie wir ihn auch nennen mögen, er ist immer da für uns. Wir können jederzeit zu ihm gehen.
Wenn ich diesen Liedtext lese, kommen mir nicht als erstes die angegebenen Quellen wie Klagelieder 3,26 und Psalm 130 in den Sinn. Vielmehr ist es das Gebet des Bruder Klaus, an welches mich die Worte «Was mich hindert, ganz bei dir zu sein, räume aus» von Albert Frey erinnern. Frey wurde 1964 bei Ravensburg geboren. Er ist ein deutscher Sänger und Songwriter christlicher Popmusik. In seinem Text nimmt er weiter Bezug auf das erste Buch der Könige 8,54–66 und auf 2. Chronik 16,9 «Denn des HERRN Augen schauen alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.», wenn er schreibt «Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz.»
Ich verstehe das Lied als gesungenes Gebet. Für eine ruhige Gebetshaltung sorgen sowohl die vorwiegend linear verlaufende Melodie, als auch der ruhig schwingende Rhythmus im 6/8 Takt.

Monatslied Mai und Juni
Jubilate, Everybody ru 050
Im November letzten Jahres haben wir die Monatslieder für das laufende Jahr ausgewählt. Damals wusste noch niemand, wie eine Krankheit unser Leben verändern würde. Alles ist anders, vieles ist ungewiss.
«Jubilate, everybody» – so stellten wir uns vor, dass an den Konfirmationen gesungen werden würde. Können sie denn stattfinden? Dürfen die Konfirmandinnen und Konfirmanden wie geplant mit ihren Familien feiern? So vieles ist in Frage gestellt.
«Jubilate, everybody», jubelt, alle miteinander. Ist uns überhaupt nach Jubeln zumute, ein Worship-Lied – zu Deutsch ein Anbetungslied – zu singen? Der Text des aktuellen Monatslieds basiert auf dem Psalm 100, einem Danklied. «Ein Psalm. Zum Dankopfer. Jauchzt dem HERRN, alle Lande! Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel! Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide. Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen! Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.»
Ich denke an die Lieder Paul Gerhardts. Erlebnisse von Krieg, Pest und Pocken verarbeitete Gerhardt in Liedtexten mit dem Ziel, den Menschen neuen Mut und neue Hoffnung zu schenken. Mut und Hoffnung brauchen auch wir. Darum lasst uns der Aufforderung folgen und Gott jubeln: «Jubilate, everybody, jubilate Deo.»

Monatslied April (ab Ostern)
Das Weizenkorn ru 040
Von Samen, Senfkorn und Weizenkorn lesen wir in den Gleichnissen Jesu. In Liedern wird von Samen, Senf- und Weizenkorn gesungen. Ich denke da an das Passionslied «Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt». Am Schluss der letzten Strophe wird mit den Worten «…der dritte Tag erschien» auf Ostern hingewiesen.
Genauso ist auch das Lied «Das Weizenkorn» aufgebaut. Das Korn fällt in die Erde, muss dort sterben damit neues Leben entstehen kann. Die Vergleiche gehen weiter mit dem Weizenkorn, das in die Mühle fällt, zu Brot verarbeitet wird und so zu einem Grundnahrungsmittel wird, zu einem Lebensmittel. Auch dieses Lied endet mit der Hoffnung auf Auferstehung vom Tod.
Musik und Text kommen aus Brasilien. Der Textdichter Armindo Travisan (*1933) studierte Theologie in Brasilien und anschliessend Philosophie in der Schweiz. Bettina Lichtler übersetzte 2012 seinen Text «Se o grão não morrer debaixo a terra» ins Deutsche. So wurde er mit der brasilianischen Melodie, einem Samba, in das rise up plus von 2015 aufgenommen.

Monatslied März 2020
Dein König kommt in niedern Hüllen RG 371
Dieses Gedicht von Friedrich Johann Michael Rückert (1788–1866) wurde 1841/42 erstmals in ein Gesangbuch aufgenommen. Zwar steht es im reformierten Gesangbuch bei den Adventsliedern, spricht jedoch in der ersten Strophe klar den Einzug Jesu in Jerusalem an. Der Dichter spricht zum Volk und fordert es auf, Jesus mit Friedenspalmen zu empfangen. In den weiteren Versen wird Jesus angesprochen. Er wird als der Friedefürst besungen, wie ihn Jesaja (9.5) verheissen hat. Er schafft Frieden, kämpft ohne Gewalt, als einzige Waffe hat er Worte des Glaubens.
Rückert war ein Sprachgenie und beherrschte 44 Sprachen. Seine Gedichte wurden vielfach von namhaften Komponisten vertont. Sehr bedeutend sind die «Kindertotenlieder», die Gustav Mahler komponiert hat.
Melodie und Satz stammen von Eduard Hille (1822–1891). Während die Melodie die Form aabccd aufweist, weicht der Satz bei den wiederholten Zeilen ab. Singt man das Lied wie vorgegeben alla breve, ist die Freude über das Kommen des Herrn, sei es im Advent oder an Palmsonntag, deutlich zu spüren.

Monatslied Februar 2020
Vater, unser Vater ru 102
Ein Jünger bat Jesus: «Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat.» Das Gebet, das daraufhin Christus seine Jünger lehrte, hat zwei unterschiedliche Anfänge. Während wir in der evangelisch-reformierten Kirche beten «Unser Vater im Himmel», beginnen die lutherische, die ökumenische und die römisch-katholische Fassung mit «Vater unser im Himmel». Dieses moderne Lied zum Gebet wird mit dem Beginn des Refrains allen Fassungen gerecht, indem der Text lautet: «Vater, unser Vater».
Christoph Zehendner hat sich erlaubt, vom biblischen Wortlaut Abstand zu nehmen und die Bitten neu zu formulieren. Dies kann durchaus Anregung sein, über die Bitten, die wir in jedem Gottesdienst beten, neu nachzudenken, sie bewusster werden zu lassen.
Dass das Gebetslied aus Strophen und Refrain besteht, ist ungewohnt. Zahlreiche andere Vertonungen folgen dem Text aus der Bibel. Es ist sicher empfehlenswert, zwei oder drei Strophen nacheinander zu singen und dann erst in den Refrain einzustimmen. Das Lied kann in der Liturgie gut an Stelle des gesprochenen «Unser Vater» stehen.

Monatslied Januar 2020
Singt dem Herrn ein neues Lied! ru 008
Mit diesem Kanon starten wir die Reihe der Monatslieder für das Jahr 2020.
Thord Gummesson (*1930) schrieb die Musik mit dem englischen Originaltext «Spring, spring, spring – like all the birds that sing». Aus dem weltlichen Frühlingslied schuf der Zürcher Kantor Beat Schäfer 1993 ein geistliches Lied, indem er der Melodie einen Text nach Psalmversen unterlegte. All diesen Versen ist eines gemeinsam: «Singt dem Herrn ein neues Lied!»
Bereits früh in der Geschichte der Kirchenlieder pflegte man die Praxis, aus weltlichen Liedern geistliche zu schaffen, so wurde beispielsweise aus dem Tanzlied «A lieta vita» von Giovanni Giacomo Gastoldi bereits am Ende des 16. Jh. das Kirchenlied «In dir ist Freude». Noch weiter zurück, nämlich um 1505, wurde aus dem Lied «Innsbruck, ich muss dich lassen» aus dem 15. Jh. das geistliche Lied «O Welt, ich muss dich lassen».
Zurück zum Psalm-Kanon «Singt dem Herrn ein neues Lied!» Zu dem dreistimmigen Kanon schrieb Gummesson ein Ostinato, eine Melodie, die als Bassstimme durch das ganze Lied hindurch trägt mit den Worten «Lobet und preiset den Herrn, danket und dienet ihm gern.»
Ich lade Sie herzlich ein, dieses Lied kennen zu lernen, und zwar vor dem Gottesdienst am Sonntag, 5. Januar, um 9.30 Uhr in der Kirche Münsingen.

Monatslied Dezember 2019
Steh auf, werde licht RG 380
«Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden zu deinem Licht ziehen und Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.» So steht es im Buch Jesaja 60, 1–3.
Ohne Licht gibt es kein Leben. Bereits ganz am Anfang der Bibel ist das Licht ein wichtiges Thema. Im 1. Buch Mose, 1,3 steht: «Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.»
Wie sehr wir Licht zum Leben brauchen, wird in dieser Zeit der langen Nächte so richtig deutlich. Der frühe Einbruch der Dunkelheit schlägt vielen Menschen auf’s Gemüt.
Nun hat das Wort «Licht» in diesem Kanon aber noch eine weitere Bedeutung. «Dein Licht kommt» steht als Versprechen dafür, dass Gott in Jesus als Mensch auf die Erde kommt.
Die Melodie ist so kunstvoll gesetzt, dass aus einer einzigen Stimme Mehrstimmigkeit werden kann. Diese Vielstimmigkeit sehe ich als Symbol dafür, dass wir alle für andere zu einem Licht werden können, im Zuhören, im Teilen, in einer lieben Geste, in einem lieben Wort. Damit folgen wir der Aufforderung «werde licht!»
Ich finde es eine wunderbare Idee der Gesangbuch-Schaffenden, diesen Bibelvers in Form eines Kanons ans Ende des Adventskapitels und damit an den Übergang zu Weihnachten zu setzen. Werden wir für andere zu einem Licht!

Monatslied November 2019
Herr, mach uns stark RG 865
Für den Monat November, in dem die Tage kürzer werden und die Dunkelheit zunimmt, in dem der Totensonntag liegt, bevor wir dann die Adventssonntage feiern, haben wir das Lied «Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt» gewählt. In der anglikanischen Kirche wird das Lied mit dem Text «For All the Saints» an Allerheiligen gesungen.
Anna Martina Gottschick (1914–1995), eine deutsche Journalistin, Lektorin und Kirchenlieddichterin, beschreibt in ihren Liedversen eine düstere Welt, eine Welt voll Schmerz, Geschrei und Leiden, voll Irrtum, Schuld und Leid. Doch stellt sie diesem Düstern jeweils im zweiten Teil des Verses Hoffnung gegenüber. So endet denn auch jeder Vers mit einem zweifachen Halleluja-Ruf, dem Aufruf zum Lobe Gottes.
Die Melodie des bedeutenden englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872–1958) ist im Stil der spätromantischen «Victorian Hymns» gesetzt und wird als eine der schönsten Kirchenlied-Melodien des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Monatslied Oktober 2019
Lobe den Herrn, meine Seele RU 041
«Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan!» So beginnt der Psalm 103, auf welchen Norbert Kissel sich in seinem Lied stützt.
Gott loben können wir mit Worten, in Liedern, auch mit Musik ohne Text. Gott loben können wir aber auch, indem wir das pflegen, was er uns geschenkt hat: Pflanzen und Tiere, die Schöpfung allgemein, unsere Gaben und Talente. Norbert Kissel tut dies auf ganz vielfältige Weise. Er ist Organist und Chorleiter an der Michaelskirche in Wieseck in Hessen mit einer besonderen Vorliebe zu Bach und älteren Meistern. Weiter komponiert er Chor- und Orgelwerke. Zu Hause in der Stille malt er Ölgemälde. Ja, Kissel hat viele Talente.
Nicht alle können Musik machen und malen. Aber jeder Mensch hat eine Gabe, die es zu entdecken und die es sodann zu nutzen und zu pflegen gilt.
«Lobe den Herrn, meine Seele, lob ihn in Ewigkeit, Amen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es ja nicht.» Dieser Kehrvers kann einstimmig, oder auch in zweistimmigem Kanon gesungen werden. In den Versen übernimmt Kissel sinngemäss aus dem Psalm, wofür meine Seele Gott loben soll. Die Musik dazu wirkt leicht und tänzerisch und ist so eingängig, dass sie nach kürzester Zeit von allen gesungen werden kann. So verbreitet sich das Lob im Gottesdienst und darüber hinaus, denn die Melodie setzt sich ins Ohr, bleibt im Kopf und berührt das Herz.
Zu Psalm 103 finden sich auch drei Lieder und ein Kanon (59–62) im reformierten Gesangbuch.

Monatslied September 2019
Lass uns in deinem Namen, Herr RU 107
«Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.» Ein Blick über das Noten- und Textbild zeigt, dass die ersten zwei Zeilen jeder Strophe exakt identisch sind. In der dritten Zeile fallen die Worte Glauben, Liebe und Hoffnung auf. Und sofort schweifen meine Gedanken zum Hohelied der Liebe von Paulus: «Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am grössten unter ihnen aber ist die Liebe.» 1. Korinther 13,13
«Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.» So schreibt Kurt Rommel in seinem Liedtext. Oft fällt es schwer, den richtigen Schritt zu tun. Erst einmal gilt es zu erkennen, was denn der richtige Schritt ist. Dies alleine ist aber oft noch nicht die Lösung. Das Erkennen des nötigen Schrittes stellt uns immer wieder vor eine Schranke. Wir brauchen Mut diese Schranke zu überwinden, zu handeln, die Wahrheit zu leben, auch mal einen Schlussstrich zu ziehen und von vorne zu beginnen.
Der Text sagt uns: Werde ein Mensch voll Glaube, Liebe und Hoffnung und handle. Du bist dabei nicht allein.

Monatslied Juli/August 2019
Mon âme se repose RG 707
Dem «Gottesdienst im Lebenskreis», wie ein Kapitel im Gesangbuch überschrieben ist, begegnen wir immer wieder. Speziell bei Wendepunkten im irdischen Leben feiern wir, bitten um den Segen von Gott und um seinen Trost, so bei Taufe, Konfirmation, Trauung und Trauerfeier.
Im Abschnitt «Vertrauen» steht das Lied «Mon âme se repose en paix sur Dieu seul» aus Taizé. Die schlichte Melodieführung und vertraute Harmonien verleihen Sängerinnen und Sängern Geborgenheit, Ruhe und Trost.
Als Textquelle ist Psalm 62, Vers 2 angegeben: «Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.» Im deutschen Liedtext steht: «Bei Gott bin ich geborgen, still, wie ein Kind.» – Wie ein Kind. – Ein kleines Kind fühlt sich in den Armen von Vater und Mutter geborgen und schenkt ihnen uneingeschränktes Vertrauen. Wie steht es um unser Vertrauen zu Gott? Ist es so gross und uneingeschränkt wie das Vertrauen eines Kindes in seine Eltern?
Singt man dieses Lied mehrmals hintereinander, so wie es in der Communauté von Taizé Brauch ist, kann man die Geborgenheit zunehmend spüren und damit das Vertrauen stärken. Schliesslich wird auch der Schluss der einzigen Strophe spürbar: «Hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein.»

Monatslied Juni 2019
Heilig – der allmächtige Gott ru 083
Mit diesem Lied im rise up PLUS steht uns ein Sanctus in Form eines Sambas zur Verfügung.
Das Sanctus ist fester Bestandteil der Abendmahlsliturgie. Es besteht zum Einen aus dem Gesang der Engel, wie er in Jesaja 6,3 überliefert ist: «Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!» Später wurde der Jubel des Volks, mit dem es Jesus beim Einzug in Jerusalem begrüsste, hinzugefügt (Markus 11,9): «Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!» Hosanna bedeutet soviel wie «hilf doch» und ist ein Jubel- und Huldigungsruf.
Zum Jubel passt die Tanzmusik des Samba wunderbar. Seine Wurzeln liegen vermutlich im Sambesi- und Kongogebiet. Von Sklaven wurde diese Musik nach Brasilien gebracht, wo sie mit andern Musikstilen aus Afrika vermischt wurde. So ist Samba heute ein Oberbegriff für verschiedene Musiktypen. Gemeinsam ist allen Arten des Samba der 2/4-Takt.
Bei unserem Monatslied handelt es sich um einen tänzerischen, fröhlichen Samba, der gestaltet von Vorsängerin und Gemeinde besonders lebendig wirkt. Im Gottesdienst vom 2. Juni wird Monika Finger, die schon mehrmals als Leadsängerin mit dem Vesperchor aufgetreten ist, als Vorsängerin mitwirken.

Monatslied Mai 2019
Manchmal feiern wir mitten im Tag... ru 168
…ein Fest der Auferstehung. Auferstehung setzen wir mit Ostern gleich, dem Tag, an dem Christus auferstanden ist. Im Liedtext von Alois Albrecht, einem Pionier des Neuen Geistlichen Liedes, geht es um mehr. Das Fest der Auferstehung kann jederzeit und überall gefeiert werden. Es muss nicht laut, jubelnd und feuerwerk-knallend daher kommen. Es kann ganz leise auftauchen, mitten in einem Wort, mitten im Tun, auch mitten in einem Streit. Die Auferstehung Jesu soll uns anstiften zu unserer eigenen Auferstehung, zum Hinschauen, Hinhören, Handeln, Frieden stiften und Frieden leben.
Albrecht stützt sich dabei auf Verse aus der Bibel wie Kolosser 2,12: «…Aber ihr seid auch mit ihm zu neuem Leben auferweckt worden durch den Glauben an die Kraft Gottes, der Christus von den Toten auferstehen liess.»
Die Melodie stammt aus der Feder von Peter Janssens, einem Mitbegründer des Sacro Pop. Auf die Frage, was denn ein gutes Lied ausmache, antwortete er einst: «Wenn ein guter Text und eine gute Melodie zusammenkommen und sich heiraten, wird daraus ein Drittes, ein gutes Lied!»

Monatslied April 2019
Herr, erhöre meine Klagen RG 46
Beklemmende und lähmende Trauer, tiefe Verzweiflung und Trostlosigkeit prägen dieses Klagelied aus dem Genfer-Psalter. Der Text nimmt Bezug auf den Klagepsalm 77. Asaf, der Psalmbeter, hat allen Mut verloren, sein Herz ist ihm schwer und er grübelt Tag und Nacht. Dabei erinnert er sich auch an frühere Zeiten, an Gottes Taten und Wunder. Da war doch die Befreiung des Volks aus der Sklaverei in Ägypten, die Durchquerung des Schilfmeers auf der Flucht vor den Soldaten des Pharao. Und derselbe Gott, denkt Asaf, hat ihn und sein Volk nun vergessen.
Wie der Text, so ist auch die Melodie beklemmend. Mit kleinem Tonumfang von gerade nur einer Sexte, sehr linear geführt und mit vielen Wiederholungen macht auch sie das Herz schwer. Die ersten vier Zeilen werden tief gehalten. In den Zeilen fünf und sechs dann, die übrigens identisch sind, wird der Tonumfang der Sexte gesprengt und erreicht eine Oktave. Dort ruft der Psalmist: «Rette meiner Seele Leben, ich bin dir allein ergeben!» Melodisch erklingt jede Zeile zweimal, was folgende Form ergibt: a a b c d d b c.
Mit sieben Strophen ist das Lied lang, und doch sollte es als ganzes gesungen werden.

Monatslied März 2019
Kommt mit Gaben und Lobgesang ru 093
Mit den Worten «Let us talents and tongues employ» beginnt das Abendmahlslied des niederländischen Pfarrers und Gesangbuchautors Frederik Herman Kaan. Der deutsche Text von Detlev Block, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, ist nahe am englischen Originaltext und doch gut singbar.
Die Melodie nach einem Volkslied aus Jamaika stammt aus der Feder der 1925 geborenen Doreen Potter. Sie stammt aus der Familie eines Methodistenpfarrers, wurde in Panama geboren und hatte irische Wurzeln. Auch ihr Mann, Philipp Potter, war Pfarrer der methodistischen Kirche und hatte irische und afrikanische Wurzeln. Zwar absolvierte Doreen Potter ihr Musikstudium in Europa, fühlte sich aber durch all ihre Erfahrungen in der dritten Welt zur mittelamerikanischen und besonders zur karibischen Musik hingezogen. Diese Vorliebe fliesst denn auch in ihre Kompositionen ein. An der Entwicklung des neuen geistlichen Liedes war sie massgeblich beteiligt. So arbeitete sie auch am «Cantate Domino», einem Liederbuch mit einer Fülle ausländischer Lieder mit. 1972 schrieb sie die beschwingte Melodie zu Kaans Text, wie wir sie im «rise up» finden.
Die zentrale Aussage im Lied ist das Teilen: Er, der lebt, gebot: «Teilt das Brot!» Mit dieser Aufforderung passt das Lied wunderbar in die Zeit der Kampagne «Brot für alle/Fastenopfer».

Monatslied Februar 2019
Visionslied
Unter dem Motto «Fragen stellen – Antworten finden – Kirche sein» entwickelten die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn in den Jahren 2015 bis 2017 die Vision Kirche 21 – «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet».
Als Auftragskomposition zum damit verbundenen Kirchenfest im September 2017 entstand das Visionslied mit dem Text des deutschen Pfarrers Eugen Eckert und der Melodie des Schweizer Musikers und Komponisten David Plüss. Bereits im vergangenen November wurde dieses Lied in unserer Kirche als Monatslied gesungen. Und gleich nochmals soll es einen Monat lang in jedem Gottesdienst gesungen und so bekannt und vertraut werden.
Im Refrain erklingt die Vision: «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet so lasst uns eins in Christus Kirche sein. Aus vielen Körnern wird ein Brot gebacken, in Vielfalt stellt sich Gott stets ein.» (© Text Eugen Eckert)
In den Strophen geht es darum zu fragen, zu bedenken, den Blick zu weiten. Schliesslich sollen wir auch Türen öffnen und uns neu begegnen. – Sicher ist es gut, immer wieder Fragen zu stellen. Aber ist es nicht vermessen zu denken, dass ich auf jede Frage eine Antwort finden muss? Geht es im Glauben nicht vielmehr darum, mit offenen und unbeantworteten Fragen umgehen und leben zu können? – Gehörtes, Gelesenes und Erlebtes neu bedenken bringt mich vielleicht nicht immer weiter, aber an einen andern Punkt – zu einem andern Standpunkt – und lässt mich einiges aus andere Perspektive betrachten. – Den Blick weiten für Gottes Schöpfung lässt mich mit eben dieser Schöpfung wieder sorgsamer umgehen. –
«Von Gott bewegt, den Menschen verpflichtet so lasst uns eins in Christus Kirche sein.»
Das ganze Lied finden Sie auf http://kirche21.refbejuso.ch/das-visionslied/

Monatslied Januar 2019
Der du die Zeit in Händen hast RG 554
Im Gesangbuch von 1952 steht das Lied im Kapitel «Schluss des Gottesdienstes», in jenem von 1998 wird es dem Jahreswechsel zugeordnet. Grund dafür ist, dass im früheren Gesangbuch nur die letzte Strophe von Jochen Kleppers Neujahrslied abgedruckt war. Während des Nazi Regimes, im Jahre 1937, schrieb Klepper aber ein Gedicht mit sechs Strophen. Er schrieb es unter all den schweren und belastenden Eindrücken. Mit seiner jüdischen Frau und deren beiden Töchtern lebte er oft in Angst und Sorge.
Am Anfang seines Gedichts steht: «Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.» Was für ein tiefes Vertrauen! Schweres kann zu einem Segen werden. In den weiteren Versen geht es um Vergänglichkeit und um das, was bleibt. Es ist ein wunderbares Gebet, gestützt auf Verse aus der Bibel wie «Meine Zeit steht in deinen Händen» Psalm 31,16 oder «Alles hat seine Zeit. Geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit; lachen und weinen, tanzen und klagen, suchen und verlieren, schweigen und reden – alles hat seine Zeit:» nach Kohelet 3. In der Kantate «Actus tragicus» setzt Bach den Text «In deine Hände befehl’ ich meinen Geist» in eine wunderschöne Arie um. Gott schenkt Zeit – uns allen. Und diese Zeit hat er in seinen Händen.
Bereitgestellt: 30.06.2020     Besuche: 40 Monat
 
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