Monatslied

Texte: Caroline Marti

So klingt das Monatslied
«Wer singt, betet doppelt» sagte bereits der alte Kirchenvater Augustinus – und Luther pflichtete ihm bei.
In der reformierten Kirche Münsingen wird gut gesungen und es ist eine Freude, diesen Gesang an der Orgel zu begleiten. Dennoch höre ich immer wieder Bemerkungen wie: «Ich konnte gar nicht singen.» «Das waren wieder unbekannte Lieder!»
Darum biete ich ab diesem Jahr an, in der Regel am ersten Sonntag des Monats das Monatslied zu üben. Ausnahmen sind möglich, darum beachten Sie die Ausschreibung im «reformiert.»
Jeweils vor dem Gottesdienst um 9.30 Uhr in der reformierten Kirche Münsingen
Alle sind herzlich willkommen.


Monatslied April 2019
Herr, erhöre meine Klagen RG 46
Beklemmende und lähmende Trauer, tiefe Verzweiflung und Trostlosigkeit prägen dieses Klagelied aus dem Genfer-Psalter. Der Text nimmt Bezug auf den Klagepsalm 77. Asaf, der Psalmbeter, hat allen Mut verloren, sein Herz ist ihm schwer und er grübelt Tag und Nacht. Dabei erinnert er sich auch an frühere Zeiten, an Gottes Taten und Wunder. Da war doch die Befreiung des Volks aus der Sklaverei in Ägypten, die Durchquerung des Schilfmeers auf der Flucht vor den Soldaten des Pharao. Und derselbe Gott, denkt Asaf, hat ihn und sein Volk nun vergessen.
Wie der Text, so ist auch die Melodie beklemmend. Mit kleinem Tonumfang von gerade nur einer Sexte, sehr linear geführt und mit vielen Wiederholungen macht auch sie das Herz schwer. Die ersten vier Zeilen werden tief gehalten. In den Zeilen fünf und sechs dann, die übrigens identisch sind, wird der Tonumfang der Sexte gesprengt und erreicht eine Oktave. Dort ruft der Psalmist: «Rette meiner Seele Leben, ich bin dir allein ergeben!» Melodisch erklingt jede Zeile zweimal, was folgende Form ergibt: a a b c d d b c.
Mit sieben Strophen ist das Lied lang, und doch sollte es als ganzes gesungen werden.

Monatslied März 2019
Kommt mit Gaben und Lobgesang ru 093
Mit den Worten «Let us talents and tongues employ» beginnt das Abendmahlslied des niederländischen Pfarrers und Gesangbuchautors Frederik Herman Kaan. Der deutsche Text von Detlev Block, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, ist nahe am englischen Originaltext und doch gut singbar.
Die Melodie nach einem Volkslied aus Jamaika stammt aus der Feder der 1925 geborenen Doreen Potter. Sie stammt aus der Familie eines Methodistenpfarrers, wurde in Panama geboren und hatte irische Wurzeln. Auch ihr Mann, Philipp Potter, war Pfarrer der methodistischen Kirche und hatte irische und afrikanische Wurzeln. Zwar absolvierte Doreen Potter ihr Musikstudium in Europa, fühlte sich aber durch all ihre Erfahrungen in der dritten Welt zur mittelamerikanischen und besonders zur karibischen Musik hingezogen. Diese Vorliebe fliesst denn auch in ihre Kompositionen ein. An der Entwicklung des neuen geistlichen Liedes war sie massgeblich beteiligt. So arbeitete sie auch am «Cantate Domino», einem Liederbuch mit einer Fülle ausländischer Lieder mit. 1972 schrieb sie die beschwingte Melodie zu Kaans Text, wie wir sie im «rise up» finden.
Die zentrale Aussage im Lied ist das Teilen: Er, der lebt, gebot: «Teilt das Brot!» Mit dieser Aufforderung passt das Lied wunderbar in die Zeit der Kampagne «Brot für alle/Fastenopfer».

Monatslied Februar 2019
Visionslied
Unter dem Motto «Fragen stellen – Antworten finden – Kirche sein» entwickelten die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn in den Jahren 2015 bis 2017 die Vision Kirche 21 – «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet».
Als Auftragskomposition zum damit verbundenen Kirchenfest im September 2017 entstand das Visionslied mit dem Text des deutschen Pfarrers Eugen Eckert und der Melodie des Schweizer Musikers und Komponisten David Plüss. Bereits im vergangenen November wurde dieses Lied in unserer Kirche als Monatslied gesungen. Und gleich nochmals soll es einen Monat lang in jedem Gottesdienst gesungen und so bekannt und vertraut werden.
Im Refrain erklingt die Vision: «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet so lasst uns eins in Christus Kirche sein. Aus vielen Körnern wird ein Brot gebacken, in Vielfalt stellt sich Gott stets ein.» (© Text Eugen Eckert)
In den Strophen geht es darum zu fragen, zu bedenken, den Blick zu weiten. Schliesslich sollen wir auch Türen öffnen und uns neu begegnen. – Sicher ist es gut, immer wieder Fragen zu stellen. Aber ist es nicht vermessen zu denken, dass ich auf jede Frage eine Antwort finden muss? Geht es im Glauben nicht vielmehr darum, mit offenen und unbeantworteten Fragen umgehen und leben zu können? – Gehörtes, Gelesenes und Erlebtes neu bedenken bringt mich vielleicht nicht immer weiter, aber an einen andern Punkt – zu einem andern Standpunkt – und lässt mich einiges aus andere Perspektive betrachten. – Den Blick weiten für Gottes Schöpfung lässt mich mit eben dieser Schöpfung wieder sorgsamer umgehen. –
«Von Gott bewegt, den Menschen verpflichtet so lasst uns eins in Christus Kirche sein.»
Das ganze Lied finden Sie auf http://kirche21.refbejuso.ch/das-visionslied/

Monatslied Januar 2019
Der du die Zeit in Händen hast RG 554
Im Gesangbuch von 1952 steht das Lied im Kapitel «Schluss des Gottesdienstes», in jenem von 1998 wird es dem Jahreswechsel zugeordnet. Grund dafür ist, dass im früheren Gesangbuch nur die letzte Strophe von Jochen Kleppers Neujahrslied abgedruckt war. Während des Nazi Regimes, im Jahre 1937, schrieb Klepper aber ein Gedicht mit sechs Strophen. Er schrieb es unter all den schweren und belastenden Eindrücken. Mit seiner jüdischen Frau und deren beiden Töchtern lebte er oft in Angst und Sorge.
Am Anfang seines Gedichts steht: «Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.» Was für ein tiefes Vertrauen! Schweres kann zu einem Segen werden. In den weiteren Versen geht es um Vergänglichkeit und um das, was bleibt. Es ist ein wunderbares Gebet, gestützt auf Verse aus der Bibel wie «Meine Zeit steht in deinen Händen» Psalm 31,16 oder «Alles hat seine Zeit. Geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit; lachen und weinen, tanzen und klagen, suchen und verlieren, schweigen und reden – alles hat seine Zeit:» nach Kohelet 3. In der Kantate «Actus tragicus» setzt Bach den Text «In deine Hände befehl’ ich meinen Geist» in eine wunderschöne Arie um. Gott schenkt Zeit – uns allen. Und diese Zeit hat er in seinen Händen.

Monatslied Dezember 2018
Give Thanks RU 161
Danken aus vollem Herzen, danken, weil Gott uns Jesus Christus, seinen Sohn gegeben hat, danken, weil Gott so viel für uns tut und uns bedingungslos liebt.
Danke sagen wir oft zu jemandem, der uns etwas Gutes tut, etwas Liebes sagt, uns mit Worten oder Gaben beschenkt. Gott danken, das tun wir im Gebet und im Lied. Um von Herzen danken zu können, muss man zuerst sehen, hören und erkennen, wofür es zu danken gibt – und dann erfüllt einen ein wunderbares Gefühl von Glück. Im Monatslied heisst es denn auch: Und jetzt lass den Schwachen sagen: «Ich bin stark!» Lass den Armen sagen: «Ich bin reich!».
Das Danklied «Give Thanks» begleitet uns durch den Advent, über die Weihnachtstage bis hin zum Jahresende. Es ist ein Spiritual, dessen Melodie über lange Zeit hin mündlich überliefert wurde. Nun steht das Lied im rise up mit einem Satz von Kurt Müller-Klusmann. Der gebürtige Glarner ist Sänger, Komponist, Dirigent und Chorleiter. Seit 2009 leitet er den Oratorienchor Schaffhausen. Er sagt: «...Musik soll singen und sprechen, soll sprechen und singen…soll bewegen…».

Monatslied November 2018
Visionslied
Unter dem Motto «Fragen stellen – Antworten finden – Kirche sein» entwickelten die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn in den Jahren 2014 bis 2017 die Vision Kirche 21 – «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet».
Das Kirchenfest vom 10. September 2017 stand dabei als Doppelpunkt. Einerseits bildete es den Abschluss des Visionsfindungsprozesses, andererseits stand es als Anfang der Umsetzung dieser Vision.
Für dieses Fest wurde der deutsche Pfarrer und Texter Eugen Eckert beauftragt ein Lied zu schreiben – das Visionslied. An den Anfang des Refrains setzt er die Vision «Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet».
Refrain: Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet.
So lasst uns eins in Christus Kirche sein. Aus vielen Körnern wird ein Brot gebacken, in Vielfalt stellt sich Gott stets ein. (© Text Eugen Eckert)
Mit dem Bild vom einen Brot, das aus vielen Körnern gebacken wird, zeigt Eckert zum Einen die Vielfalt der Kirche, die aus vielen Menschen besteht, zum Andern die Vielfalt Gottes, wie sie sich in der Schöpfung zeigt.
Auf Anregung Eckerts hin wurde der Schweizer Musiker und Komponist David Plüss beauftragt die Musik zum Text zu schreiben. In nur einer Nacht entstanden Melodie und Harmonien, die Eckert begeisterten. Nach den in Moll-Klängen gehaltenen Strophen blüht der Refrain in seiner Dur-Tonalität richtiggehend auf und strahlt ein grosses Leuchten aus, eine Hoffnung und Vision für Gegenwart und Zukunft.
Das ganze Lied finden Sie auf http://kirche21.refbejuso.ch/das-visionslied/

Monatslied Oktober 2018
Aller Augen warten auf dich, Herre RG 97
In Psalm 145, in den Versen 15 und 16 steht: «Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du tust deine Hand auf und erfüllst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.»
Diesen Psalmspruch vertonte Heinrich Schütz und nahm ihn 1657 als Tischgebet in seine Sammlung «Zwölf geistliche Gesänge» auf. Es sind Worte aus einem Lobpsalm Davids. Darin geht es nicht allein um den Hunger nach Nahrung, sondern auch um Hunger nach Liebe und Zuwendung.
Später im Psalm heisst es: «Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, die ihn ernstlich anrufen.» Was ist aber mit den Menschen in Kriegsgebieten, die Heimatlosigkeit, Gewalt, Kälte und Hunger erleben, die tagtäglich dem Tod gegenüber stehen? Rufen sie Gott nicht ernstlich an?
Es gibt einiges, was wir im Kleinen tun können. Sind wir dankbar für unsere Lebensmittel. Schätzen wir sie ganz bewusst und kämpfen wir gegen Verschwendung.
Mit einem gesungenen Tischgebet wie dem Psalmlied von Heinrich Schütz können wir nicht nur für unsere Speisen danken, nein, wir können auch für Hungernde und Leidende beten – immer wieder – so, wie wir auch immer wieder Hunger haben und essen.

Monatslied September 2018
Lass mich dir ganz nah sein RU 175
Lass mich dir ganz nah sein – so betet der Textdichter Tobias Petzoldt, Religionspädagoge und Dozent an der Evangelischen Hochschule Moritzburg im Kehrvers dieses Liedes. In den Strophen schildert er, was Gott für uns alles ist: Vater, Mutter, Freund, Heimat, Liebe, Nahrung und vieles mehr. – Ist er denn auch Heimat für die Tausende von Flüchtlingen? Ist er Nahrung und Wasser für all jene, die Hunger und Durst leiden?
Wer sich satt fühlt und ein Zuhause hat, kann das Lied mit der wiegenden, Geborgenheit spendenden Melodie gut singen. Gerd-Peter Münden, Domkantor in Braunschweig, schrieb die Musik zu Petzolds Text im Jahr 2012, worauf am Evangelischen Kirchentag 2013 in Hamburg, am Jugendsonntag, eine grosse, bunt zusammengewürfelte und junge Gemeinde sang: «Lass mich dir ganz nah sein, nimm Wohnung in mir.»

Monatslied August 2018
Ich will dich lieben, meine Stärke RU 682
In den ersten zwei Strophen von Johann Schefflers Gedicht beginnen sieben Zeilen mit den Worten «Ich will dich lieben». – Eine Liebeserklärung in einem Kirchenlied? – Am Ende der zweiten Strophe erst wird deutlich, dass mit «Stärke, Zier, schönstes Licht, Leben und Freund» Jesus gemeint ist. Die Strophen drei und vier lassen erahnen, dass es im Leben des Dichters eine Wende gegeben haben muss. Tatsächlich konvertierte Scheffler 1653 zur katholischen Kirche und nannte sich fortan Angelus Silesius (schlesischer Engel). Vier Jahre später schrieb er dieses Gedicht.
In den Versen fünf und sechs spricht der Dichter Dank aus, Dank für Licht und Freiheit, die er erfahren hat, und bittet zugleich um Bewahrung auf dem weiteren Weg. Die letzte Strophe nimmt nochmals die Liebeserklärung des Anfangs auf.
In unserem Gesangbuch finden wir das Gedicht zusammen mit einer barocken Melodie aus dem «Harmonischen Liederschatz» von Balthasar König. Der Tonumfang im ersten Teil reicht über eine Oktave und erzeugt eine schöne Spannung, während sich der zweite Teil mit Tonwiederholungen und kleinem Tonumfang entspannend zum Grundton zurückbewegt.

Monatslied Juni und Juli 2018
Geh unter der Gnade RU 117
Altes und Vertrautes loslassen, Neues angehen und anpacken – das müssen in diesen Sommermonaten wiederum ganz viele junge Menschen, welche die vertraute Umgebung der Schule verlassen und neue, unbekannte Wege betreten, sei dies in einer weiterführenden Schule oder an einer Lehrstelle. Begleitet werden sie von guten Wünschen und Worten der Menschen, die sie lieb haben.
Ferien stehen bevor. Menschen brechen auf für kleine und grosse Reisen. Begleitet werden sie von guten Wünschen und Worten wie: «Gute Reise» und «Komm gut wieder nach Hause».
Wieder andere bleiben zu Hause, arbeiten, unternehmen etwas in ihrer Freizeit. Begleitet werden sie von guten Wünschen und Worten wie: «Mach’s gut».
All diese Wünsche münden ein in den einen Wunsch, wie er im Refrain des Liedes von Manfred Siebald (*1948) steht: «Geh unter der Gnade und mit Gottes Segen, was immer du tust.»

Monatslied Mai 2018
Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen RG 512
In diesem Monat feiern wir Auffahrt und Pfingsten. Dabei begleitet uns ein Kehrvers-Kanon. Der Kehrvers nimmt die Melodie des Pfingstliedes «O heiliger Geist, o heiliger Gott» oder auch des Osterliedes «O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit» auf. Der Text basiert auf einem Vers aus der Apostelgeschichte.
Nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz hat Jesus seinen Jüngern über vierzig Tage hinweg immer wieder gezeigt, dass er lebt. Schliesslich verheisst er ihnen – vor seiner Himmelfahrt – die heilige Geistkraft, wie es in der Apostelgeschichte 1,8 steht: «Ihr werdet aber Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und ihr werdet meine Zeugen sein, in Jerusalem, in ganz Judäa, in Samaria und bis an die Enden der Erde.»
Die Worte «Ihr werdet meine Zeugen sein» werden im Kanon gesungen. Dies steckt voller Symbolik. So folgt in einem Kanon eine Stimme der andern, hier als Zeichen dafür, dass wir Christus nachfolgen sollen. Zudem kann ein Kanon endlos gesungen werden, ein Zeichen für die Ewigkeit.

Monatslied April 2018
Ich lobe meinen Gott RU 068
Gott loben für all das Gute, das er uns tut – das steht im Zentrum dieses Liedes. Wie schön wird darin beschrieben, wie Gott mich frei macht, mich aus der Tiefe holt, mir meine Redehemmung nimmt, mir einen neuen Weg und damit eine Perspektive zeigt und mir die Angst nimmt, damit ich atmen kann.
Im Kehrvers erklingt mit den Worten «Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden» der weihnächtliche Gesang der Engel. Soll das Lied deswegen nur in der Weihnachtszeit gesungen werden? – Die Antwort ist Nein, und dafür gibt es mehrere Gründe.
Es ist in erster Linie ein Loblied. In der Bibel wird über viele Menschen berichtet, die Grund hatten Gott zu loben, und die meisten von ihnen taten das im Lied. Als erste sei hier Mirjam genannt, die bei der Durchquerung des Schilfmeers tanzend und singend voran ging. Weiter werden uns mit dem «Magnificat» das Loblied der Maria und mit dem «Nunc dimittis» der Lobgesang des Simeon überliefert. Beide fühlten sich von Gott reich beschenkt. Und so war auch der Gesang der Engel an Weinachten ein Loblied aus lauter Freude darüber, dass Gott seinen Sohn auf die Erde gesandt hat.
Lassen wir uns von diesem Loblied durch die österliche Zeit begleiten und bewusst werden lassen, dass es ohne Weihnachten keine Ostern gäbe.
Autor: Sandra Altherr     Bereitgestellt: 26.03.2019     Besuche: 25 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch