Anita Zocchi

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu. (Off 21,5)

jahreslosung-eberhard-muench-2026 (Foto: Anita Zocchi)

Gedanken zur neuen Jahreslosung 2026
Wir wünschen allen von Herzen alles Gute im Neuen Jahr!
Anita Zocchi,
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu. Es ist eine Herausforderung für mich, über diese Jahreslosung zu schreiben. Denn der Jahresbeginn ist sehr überschattet durch Aktualitäten, die diesem positiven, hoffnungsvollen Grundton der Jahreslosung entgegenstehen. Das neue Jahr war erst einige Stunden alt, als die Brandkatastrophe in Crans-Montana geschah. Und das Jahr war erst gut zwei Tage alt, als die USA einen Angriff auf Venezuela ausführten. Gewalt, Leid und Tod in den ersten Stunden und Tagen des noch jungen Jahres.
Und jetzt diese Jahreslosung? Was kann sie uns sagen? Kann sie auch in diesem überschatteten Jahresanfang zu uns sprechen?
Ja, ich glaube, das kann sie. Ich brauche dazu aber den ganzen Kontext dieses Verses aus dem Buch der Offenbarung; die Zeit, in der er geschrieben wurde, die anderen Verse in diesem Kapitel, ja eigentlich das ganze Buch, in dem er steht.
Der Autor des Buches ist ein gewisser Johannes. Er schreibt selbst davon, dass er in Patmos in der Verbannung sei. Er wurde als Christ verfolgt, wurde gefangen genommen und auf eine Insel verbannt. Aus diesem Exil heraus schreibt er Briefe. Er schreibt an die christlichen Gemeinden, die von Paulus gegründet wurden und nun unter einer schlimmen Christenverfolgung leiden. Der Hintergrund dieser Schriften sind also Bedrängnis, Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung. Die Adressaten haben gelitten, viel gelitten. Und sie wünschten sich Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Sie wünschten sich Trost und Hilfe. Sehnsüchte, die auch wir kennen.
So besteht der erste Teil des Buches der Offenbarung aus Briefen an diese Gemeinden. Dann kommen sieben Visionen. Unser Vers steht in der siebten Vision, der von der neuen Welt Gottes. Es ist also in die Zukunft gerichtet, es ist eine Verheissung davon, wie es einmal sein wird.
Da kommt mir unwillkürlich die Frage, ist das nicht nur eine Vertröstung darauf, dass es dann irgendwann einmal gut wird. Was ist mit dem Jetzt, mit dem Heute?
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu. Er sagt nicht, ich werde alles neu machen. Ja, das griechische Verb poio, ich mache, kann man gar nicht genau ins Deutsche übersetzen. Es meint sowohl Präsens als auch Futur, es meint einen Prozess, der schon im Gange ist und noch weitergeht. Es meint, dass sich jetzt schon etwas tut. Siehe, schau genau hin, es passiert schon.
In den Versen davor wird deutlich, was hier schon passiert: Siehe, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird mit ihnen sein, ihr Gott. (Off, 21,3) Hier wird übersetzt: die Wohnung Gottes. Doch eigentlich ist es ein Zelt. Als die Israeliten durch die Wüste zogen, wurde das Offenbarungszelt, das Zelt Gottes ausserhalb des Lagers aufgeschlagen. Hier nun ist es anders. Gottes Zelt ist jetzt bei den Menschen, ganz nah, mittendrin. Gott hat sich aufgemacht zu den Menschen. Und noch ein ganz wichtiger Unterschied: er ist nicht mehr der Gott eines Volkes, sondern der Völker. Sein Zelt mitten unter uns.
Und ein Zelt ist durchlässig. Man hört, was Drinnen geschieht, und Drinnen hört man, was Draussen vor sich geht. Und so hört Gott, was bei uns los ist, er nimmt es wahr. Und er reagiert darauf: Und abwischen wird er jede Träne von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, und kein Leid, kein Geschrei und keine Mühsal wird mehr sein; denn was zuerst war, ist vergangen. (Off 21,4) Es ist kein ferner Gott mehr, der sein Zelt ausserhalb des Lagers hat. Er ist der Gott mitten unter den Menschen. Ein Gott der so nahe kommt, dass er unsere Tränen abwischen kann. Wie nah müssen wir einem anderen Menschen sein, um ihm oder ihr die Tränen abwischen zu können?
Das ist das Neue dieses Gottes. Es ist seine Nähe zu uns, zu mir, zu dir. Er ist da im Leid, denn auch er hat unser Leben gelebt, unser Leiden durchlitten. Er hat Menschen berührt, geheilt, getröstet. Damals in Jesus von Nazareth und seither immer wieder. Bei uns, bei mir, bei dir. Manchmal spüren wir das nicht. Manchmal können wir es nicht glauben. Manchmal können wir nur klagen und weinen. Denn noch ist nicht jede Träne abgewischt, noch ist der Tod da und das Leid und das Geschrei.
Und doch Gottes Zelt steht schon mitten unter uns, bei uns Menschen. Denn er hat Wohnung genommen bei uns. Das ist nicht nur Zukunft, das ist schon im Geschehen. Und die Wände eines Zeltes sind dünn. Er hört uns.
Das Neue ist, dass wir uns nicht irgendwohin auf den Weg machen müssen. Denn Gott hat sein Zelt bei uns, mitten unter uns aufgeschlagen. Wir müssen nicht mehr suchen, wir dürfen uns finden lassen. Gott spricht: Siehe, ich mach alles neu. Ich bin da, mitten unter euch.
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