Pfarrer*innen-Würfeln 2.16
Viele Fragen blieben unbeantwortet an der Langen Nacht der Kirchen; insgesamt 22 Fragen befanden sich noch im Turm. Hier nun jede Woche, immer von Freitag bis Donnerstag, eine neue Frage mit Antwort.
Euer Pfarrteam
Christoph Beutler,
Frage: "Wie kann man die heutige KUW-Generation (8./9. Klasse) noch für das Christentum / die Kirche motivieren?"
Antwort von Christoph Beutler:
Das Thema für den bernischen Kirchensonntag im Jahr 1992, es war mein erster Kirchensonntag, den ich als damals junger Pfarrer erlebt habe, lautete: "Kirche - wo ist deine Jugend?".
Heute, 33 Jahre später, ist die Frage noch immer unbeantwortet. Wie kann man die Jungen motivieren?, fragt sich nicht nur die Person, die mir diese Frage zur Beantwortung stellt. Ende Oktober treffen sich Synodale der Kirchen Bern-Jura-Solothurn und Jugendliche aus dem ganzen Kirchengebiet für einen ganzen Tag zu einer Gesprächssynode unter dem Motto:
«Junge Menschen und Kirche: Kreativ im Dialog - Ideen für heute und die Zukunft entwickeln»
Die "Jugend" war 1992 eine ganz andere als 2025, aber die Frage bleibt brennend.
Es ist ja nicht so, als wäre in diesen 33 Jahren dazwischen Nichts geschehen. Es gab und gibt hier und dort spannende Projekte von, für und mit Jugendlichen. Neue Gottesdienstformate, Lager und Ferien für junge Menschen, soziale Projekte etc. Die Kirchliche Unterweisung wurde Ende der 90er Jahre ganz neu und kindergerecht aufgestellt - und ist auch jetzt wieder in einem Veränderungsprozess, um jugendgerecht christliche Inhalte zu vermitteln und Kirche erlebbar zu machen. Das tönt nach Aufbruch und macht Mut.
Aber im Rückblick fragt man sich schon: Was ist mit den vielen zehntausend Jugendlichen geschehen, die in den letzten 33 Jahren die KUW in der Berner Kirche durchlaufen haben und konfirmiert wurden? Wo trifft man die jetzt 20, 30, 40 und 50 jährigen Kirchenmitglieder?
Ich bin überzeugt: Das Evangelium als gute Nachricht von Jesus Christus ist auch für heutige junge Menschen eine inspirierende, mutmachende, befreiende und tröstliche Botschaft für ihr Leben und eine tragfähige Antwort auch auf ihre grossen Sinnfragen nach dem Woher und Wohin im Leben. Und in der Tat: Die Zahlen von Teilnehmenden bei christlichen Jugendevents sind beeindruckend hoch. Es liegt also kaum am "Inhalt". Liegt es eher an der "Verpackung"? Ich denke: Wollen wir Jugendlichen den christlichen Glauben näher bringen und ihnen in der Kirche Raum bieten, so brauchen wir für unseren Glauben eine zeitgemässe Sprache, die sie verstehen können; wir brauchen neue Gottesdienstformate und Kirchenlieder, zu denen junge Erwachsene leichten Zugang finden; wir brauchen einfache Strukturen und vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten und - aus meiner Sicht zentral: Wir brauchen in unseren Kirchen für unsere Jugend Vorbilder im Glauben, Menschen, - nicht nur aber auch Pfarrpersonen, Katechetinnen, Jugendarbeiter -, wir brauchen Gemeindeglieder, die ihren Glauben mit Freuden leben und den Jugendlichen Freiraum zugestehen, damit sie die Möglichkeit haben, ihre Form zu finden und ihre Art, den christlichen Glauben zu leben. Vielleicht wird die Gesprächssynode ein Meilenstein? Es wäre schön. Ganz sicher ist jedes Gebet um persönliche Erneuerung und um das Wirken von Gottes Geist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn wo der Glaube an Christus lebendig ist, zieht er Kreise. Von Generation zu Generation. Seit 2000 Jahren.