Pfarrteam Münsingen

Pfarrer*innen-Würfeln 2.13

PfarrerWürfeln (Foto: Anita Zocchi)

Viele Fragen blieben unbeantwortet an der Langen Nacht der Kirchen; insgesamt 22 Fragen befanden sich noch im Turm. Hier nun jede Woche, immer von Freitag bis Donnerstag, eine neue Frage mit Antwort.
Euer Pfarrteam
Anita Zocchi,
Frage:
«Niemand kommt zum Vater, ausser durch mich.» sagte Jesus. Was ist mit Menschen anderer Religionen?

Antwort von Anita Zocchi:
Als ich diese Frage gelesen habe, musste ich erst einmal tief durchatmen. Ja, das ist nicht ganz einfach, darauf eine Antwort zu geben…
Der von ihnen zitierte Satz steht im Johannesevangelium, im 14. Kapitel. Der ganze Vers 6 lautet: «Jesus sagt zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich.» Jesus spricht hier also zu jemandem; es ist der Jünger Thomas, dem er das sagt. Weil Thomas davor behauptet hat, dass die Jünger den Weg nicht kennen würden. Darauf also kommt die Antwort von Jesus, doch ihr kennt den Weg, ich bin es. Jesus betont hier, dass die Jünger den Weg zum Vater kennen, weil sie ihn, Jesus, gesehen und erlebt haben. In Jesus haben sie den Vater gesehen, deshalb ist dank Jesus dieser Weg zum Vater offen. Für mich ist deshalb klar, dass es für Christinnen und Christen wirklich nur den Weg über Jesus gibt zum Vater. Seine Menschwerdung, sein Leben auf dieser Erde, seine Taten und Wort zeigen uns den Vater und den Weg zu ihm. Und ja, für Christinnen und Christen gibt es keinen anderen Weg, denn wir sind zur Nachfolge berufen und dazu, von Jesus und seinem Leben Zeugnis zu geben.
Wie sieht es nun mit Menschen anderer Religionen aus? Tatsächlich wurde dieser Satz immer wieder so interpretiert, dass nur Christinnen und Christen den wahren Glauben haben; nur sie am Ende wirklich zum Vater kommen, also erlöst werden. Das hat zu Verfolgung anderer Religionsanhänger geführt, zu Religionskriegen, zu Missionierung mit Zwangstaufen etc. Mit diesem und ähnlichen Sätzen der Bibel ist also viel Unrecht und Leid geschehen.
Ich kann nicht glauben, dass das der Wille Gottes ist und dass es das ist, was Jesus damit bezwecken wollte. Er hat zu seinen Jüngern gesprochen, ihnen den Weg aufgezeigt. Hatte er dabei auch die Anhänger anderer Religionen im Blick? Ich denke eher nicht. Denn Gott will alle Menschen retten, zu sich ziehen. Ich traue deshalb Gott zu, dass er das auf verschiedenen Wegen bewerkstelligt. Es gibt den Weg des Christentums, doch auch Juden und Muslime haben den gleichen Gott. Ich bin überzeugt, dass Gott diese Vielfalt der Wege zu ihm, die Vielfalt der Religionen will. Ich zweifle hingegen sehr daran, dass es Gottes Wille ist, wenn wir uns aus Gründen der Religion bekämpfen, Leid zufügen oder gar töten.
Und schliesslich gibt es Menschen, die noch nie etwas von Jesus gehört haben. Sollen die einfach verloren sein? Oder haben sie nicht eher ihren eigenen Weg zu Gott, wie immer sie IHN oder SIE nennen mögen, gefunden? Ich möchte an einen Gott glauben, der – weil ihm so viel an jedem einzelnen Menschen liegt – ganz unterschiedliche Möglichkeiten eröffnet hat, ihn zu finden. Für uns Christinnen und Christen ist es ganz ohne Zweifel Jesus, für andere Menschen ist es ein anderer Weg.
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