4. Abendmusik
«Very British: Purcell & Co.» – Unter diesem Titel bringt das Berner Vokal-Ensemble NOVANTIQUA unter der Leitung von Bernhard Pfammatter englische Chormusik vom 16. bis 18. Jahrhundert zur Aufführung. Der Chorleiter schreibt dazu:
Caroline Marti,
Das Vokalensemble NOVANTIQUA Bern sieht sich seit seinen Anfängen auch als Botschafterin der englischen Chorkultur in unserem Landesteil. So hat es letztes Jahr Chormusik des 19. bis 21. Jahrhunderts rund um Herbert Howells (1892–1983) vorgestellt. Nicht zuletzt durch die Einladung als «visiting choir» an die erzbischöfliche Kathedrale von Canterbury diesen Sommer ermutigt, präsentiert der Kammerchor nun ein Programm mit Werken für Chor und Orgel von Henry Purcell (1659-1695). Berücksichtigt werden dabei alles «Full anthems» (Motetten ohne Soli) - vom kantatenähnlichen vierstimmigen Satz für Chor und Orgel bis zur achtstimmigen A-cappella-Motette, die in ihrer überragenden Expressivität noch Komponisten des 20. Jahrhunderts inspirierte.
Bei Purcell handelt es sich zweifellos um den bedeutendsten Komponisten des englischen Barocks vor Händel. Schon damals als «Orpheus britannicus» gelobt, steht auch er in einer reichen und bis heute ungebrochenen Tradition. Sicher war er noch durch die Werke von Meistern von der Hochrenaissance bis zum Frühbarock – auch Tudor Renaissance genannt – geprägt. So dürfte er einige der im ersten Teil unseres Programms aufgeführten Werke von Thomas Tallis (1505-1585), William Byrd (c.1540-1623), Thomas Weelkes (1576-1623) und Orlando Gibbons (1583-1625) gekannt und geschätzt haben.
Er selber blieb bei seinem Ruhm natürlich auch nicht ohne Einfluss. So wollen wir im letzten Teil des Konzertprogrammes einen Werkzyklus eines seiner bedeutendsten Schüler wiedergeben. Von William Croft (1678-1727) erklingen dessen «Burial Sentences». Diese dürften einem breiteren Publikum bekannt geworden sein, als sie letztes Jahr am Trauergottesdienst für Queen Elizabeth II. auf-geführt wurden. Croft verneigt sich in diesem Werk vor seinem Lehrer, indem er den Text «Thou knowest, Lord, the secrets of our hearts» nicht selber vertonte, sondern die Komposition aus Purcells «Funeral Music for Queen Mary» einfügte. Auch in den übrigen Teilen habe er versucht, dem Beispiel des grossen Vorbilds so nahe als möglich zu kommen:
«I have endeavoured as near as I could, to imitate that great master and celebrated composer, whose name will for ever stand high in the rank of those who have laboured to improve the English style.»
«Ich habe mich bemüht, so gut ich konnte, den grossen Meister und gefeierten Komponisten zu imitieren; ihn, dessen Namen für immer hoch im Ansehen derer stehen wird, die sich bemüht haben, den englischen Stil zu verbessern.»
Verfasser: Bernhard Pfammatter
Sonntag, 27. August, 17 Uhr
Reformierte Kirche Münsingen
Kollekte