Das Weihnachtsfest – Freut euch! Beschenkt euch! Singt miteinander!
Sinn und Bedeutung der Weihnachtsfeier
Im Dezember 1806 schreibt der Theologe und Kulturprotestant Friedrich Schleiermacher ein schmales Büchlein mit dem Titel «Die Weihnachtsfeier. Ein Gespräch.» Die Erzählung ist eine in künstlerischer Form gekleidete Betrachtung über Sinn und Bedeutung des Weihnachtsfestes.
Christoph Furrer,
Weihnachten ist Freude – darum beschenkt einander!
Die Weihnachtsfeier, so schreibt Schleiermacher, ist «die fromme Freude an der Sache selbst». Nämlich das Bewusstsein, dass dieses Fest nicht nur ein Bild des Unendlichen ist, sondern als Gesamtkunstwerk gefeiert werden will. Bestehend aus echtem religiösem Gefühl, aus der Musik und einem tiefen Verständnis dafür, was christliche Gemeinschaft eigentlich ist. Die Geschenke, die wir einander an diesem Festtag schenken, drücken ebendiese Freude aus und sind für Schleiermacher ein wichtiger Bestandteil des Weihnachtsfestes.
Weihnachten ist Musik – darum singt gemeinsam!
Frömmigkeit ist für Schleiermacher letztlich weder ein Wissen noch ein Tun. Für ihn ist klar, dass «das tiefste religiöse Empfinden ohnehin nicht in Worte zu fassen» ist. «Denn», so fährt er fort, «jedes Gefühl tritt nur dann recht vollständig hervor, wenn wir den Ton dafür gefunden haben». Schleiermacher weist damit darauf hin, dass Worte letztlich nur ein «mittelbarer Ausdruck» sind. «Was das Wort klar gemacht hat, muss der Ton lebendig machen».
Weihnachten ist Geselligkeit – darum erfreut euch aneinander!
Schleiermacher war ein Genie. Ein Genie, das seiner Zeit weit voraus war. Er begriff sehr früh, dass sich die Gemeinschaft der Gläubigen in einem ständigem Wandel befindet. Sie steht immer in Wechselwirkung mit der Welt und wird darum kulturell unterschiedlich eingefärbt. Und das ist auch gut so. Sogar äusserst wichtig. Denn es wäre, so Schleiermacher, ein fundamentaler Fehler, sich gegenüber diesen Differenzen und Verschiedenheiten zu verschliessen. Würden wir das tun, verschlössen wir uns letztlich dem göttlichen Geist selber. Denn für Schleiermacher wird uns der Heilige Geist durch andere Gläubige vermittelt. Also über historische Prozesse.
Wenn wir uns um den Weihnachtsbaum und unter der Geschichte der Geburt Jesu versammeln, drücken wir aus, dass es allein diese bunt eingefärbte Verschiedenheit menschlicher Wesen ist, die die Gemeinschaft der Gläubigen realisiert.
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch bei Ihnen in den nächsten Tagen ein «himmlisches Licht aus der Nacht» hervorbrechen wird.
Dass – gerade diesen herausfordernden Jahren zum Trotz – ein «Pulsieren der Freude» in Ihrem Inneren erwachen darf.
Und dass möglichst viele Geschenke für Sie unter dem Weihnachtsbaum liegen. Denn diese dürfen Sie ja jetzt mit gutem Gewissen geniessen.
Herzlich, Pfr. Chr. Furrer