Warum Ostern Sinn macht
Karfreitag und Ostern sind mehr als das feierliche Sich-Erinnern an die christliche Tradition. Denn Letztgenannte steht stets vor der spannenden Aufgabe, das Sinnstiftende christlicher Aussagen für die Gegenwart plausibel zu machen.
Christoph Furrer,
Nehmen wir den Satz: „Jesus Christus ist gestorben und wieder auferstanden“. Theologie fragt nun nicht danach, ob dieser Satz wahr oder falsch ist, sondern nach dem Sinn solcher Sätze, insofern sie ein Mensch äußert und in wahrhaftiger Weise für wahr hält.
Der Sinn eines solchen Satzes könnte man wie folgt wiedergeben: Gerade das Sterben Jesu verdeutlicht uns, dass wir alle sterblich sind. Diesem Faktum ausgesetzt, drängen sich uns vielleicht folgende Fragen auf: „Woher komme ich eigentlich und was ist nach dem Tod?“. Mit dem Tod Jesu Christi sind wir also verwiesen auf etwas, das sich letztlich unserer Kontrolle und unserer Erkenntnis entzieht.
Wäre Christus nicht auferstanden, wäre die Jesus-Geschichte auch gar nicht so interessant für uns, denn sie würde uns lediglich zeigen, was wir schon lange wissen: Wir müssen sterben.
Die Auferstehung Christi ist nun aber die große Wende, die wirklich sinnstiftend ist. Denn damit wird uns gesagt: Es gibt die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Es gibt Vergebung, da der Tod der Menschen, biblisch betrachtet, eine Folge der Sünden ist. So schreibt Paulus in Römer 6,23: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod.“ Da aber der Tod durch die Auferstehung Christi nicht das letzte Wort hat, so hat es auch die Sünde, das Schlechte oder das Böse nicht!
Wenn die christliche Tradition nicht nur danach fragt, ob ihre Aussagen wahr oder falsch sind (denn dies vermag sie nicht einzulösen), sondern danach strebt, das Sinnstiftende religiöser Aussagen für die Gegenwart plausibel zu machen, dann stiftet uns die Ostergeschichte in unserem Leben und Sterben Sinn:
Wir dürfen wahrhaftig im Glauben darauf hoffen, dass am Ende unseres Lebensweges Versöhnung und Vergebung auf uns warten. Und wir dürfen als solche, die noch mitten auf dem Weg des Lebens sind, kritisch fragen, welche Rolle die Vergebung und mit ihr das Vergessen- und Loslassenkönnen in einer durch und durch digitalisierten Gesellschaft noch innehaben.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine fröhliche Osterzeit.
Pfr. Christoph Furrer