Abendmusik
Das ENSEMBLE ATLANTE lädt ein zur letzten Abendmusik dieser Saison. Mit ihren barocken Instrumenten und einem vielseitigen Programm lassen sie vergangene Zeiten aufleben. Michael Form schreibt dazu:
Caroline Marti,
«Waren Oboen und Fagotte wegen ihrer Lautstärke noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts fast ausschliesslich in der Oper und bei Freiluftmusiken zu hören, eroberten die Doppelrohrblattinstumente in den ersten Dekaden des 18. Jahrhunderts allmählich die intimere Kammermusik und wurden sogar zusammen mit dem flauto dolce, der sanften Blockflöte, eingesetzt. Es ist genau diese reizvolle Kombination, die uns zur Konzeption des vorliegenden Programmes inspiriert hat – nicht zuletzt weil Komponisten wie Vivaldi und Janitsch besonders hörenswerte Meisterwerke für unsere Besetzung geschrieben haben. Es bietet aber auch die Gelegenheit, erstmals die Rekonstruktion der vermutlich einzigen Triosonate für Blockflöte und Oboe aus Johann Sebastian Bachs Feder aufzuführen. Das Werk ist heute eher bekannt als Orgeltriosonate. Dass der Orgelfassung jedoch ein Kammermusikwerk zugrunde liegt, das wahrscheinlich aus Bachs Weimarer Zeit stammt, legt eine anonyme Bearbeitung für Streichinstrument nahe, welcher der zweite Satz der Flötensonate A-Dur BWV 1032 entstammt.
Das Trio RV 86 stellt gewissermassen Vivaldis «pièce de résistance» für die seltene Kombination von Blockflöte und Fagott dar. Gerne wüsste man, welchen Ausnahmevirtuosen der rote Priester dieses aussergewöhnliche Werk auf den Leib geschrieben hat. Ob es zwei Signiorine des Ospedale della Pietà waren? Ähnliche virtuose Anforderungen stellen die Bläsersonaten von J.D. Zelenka, welcher erst im letzten Jahrhundert wieder entdeckt wurde. Neben einer Vielzahl von geistlichen Werken für den Dresdner Hof scheinen dem böhmischen Komponisten mit geradezu fanatischen katholischen Charakterzügen die Doppelrohrblattinstrumente besonders am Herzen gelegen zu haben. Johann Gottlieb Janitsch wird heute fälsch-licherweise als Berliner Kleinmeister gehandelt. Zu Lebzeiten galten seine zahlreichen Quadros als herausragende Beispiele dieses Genres und wurden sogar denjenigen von Telemann vorgezogen. J.B de Boismortier schrieb für ein, so liest man, anspruchsloses Publikum bei Hofe. In seiner Zeit in Paris entstand das Concerto op. 37 für fünf Instrumente.
Der besondere Klangfarbenreichtum der Holzblasinstrumente wurde immer wieder zur Imitation von Orgelregistern eingesetzt. In diesem Sinne werden wir eine Reihe von Bachschen Choralbearbeitungen in neuem, ungewohntem Klanggewand präsentieren.»
Sonntag, 13. September 2020, 17 Uhr
Reformierte Kirche Münsingen