Wort zum Sonntag Lätare am 22. März 2020 – «Jesu, meine Freude»

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Manchmal erlebe ich, dass ein Lied mit mir geht, und ich bin überrascht zu merken, dass dieses Lied oft zu meinen Gedanken und auch zur Jahreszeit passt.

Seit einigen Tagen geht mir das Lied «Jesu, meine Freude» nicht mehr aus dem Ohr und dem Herzen. Was ist es, das mich jetzt anspricht? In einer Zeit der Verunsicherung, wo ich mich frage: was wird noch alles auf mich, auf uns zukommen? Was darf man noch, was nicht? Wie gerne würde ich etwas tun, aber zuhause bleiben ist besser. Ich habe nicht wirklich Angst, selbst krank zu werden, mache mir aber doch Sorgen um die Zukunft: wie werden die Menschen diese weltweite Krankheit überleben und damit umgehen? Werden noch mehr Menschen flüchten müssen? Was sind die wirtschaftlichen Folgen? Werden die Fragen nach Klima und sozialer Gerechtigkeit nun völlig nebensächlich?

Manches, was mein Herz bange macht. Wo bleibt die Freude? Wie kann man da noch Jesus loben?

Johann Franck, der Dichter dieses Liedes, schrieb es nur wenige Jahre nach dem 30-jährigen Krieg, in dem dreiviertel der Bevölkerung durch Krieg, Hunger, Krankheit vernichtet worden war, etwa 12 Millionen Menschen starben. Seine ganze Kindheit und Jugend hat er unter diesen Umständen verbracht. Getragen wurde er durch seinen Glauben. Den lebte er, indem er regelmässig betete, immer wieder in der Bibel las und sich an Jesus Christus aufrichtete und festhielt. All das findet sich auch in dem Lied wieder. Manche Anklänge an Bibelverse sind zu finden (wer mag, kann auf die Suche gehen, die Isolation lässt ja Zeit zum Lesen). Das ganze Lied ist ein Gebet und konzentriert sich auf Jesus Christus.

Aber ist das nicht fromme Augenwischerei?

Für mich nicht. Der Blick auf Jesus zeigt mir: ich bin nicht allein. Gott ist mit mir in allem, was schwer ist, was mir Angst macht. Er hat auch Jesus am Kreuz nicht allein gelassen, hat ihm neues Leben geschenkt, aus dem Dunkel wieder ins Licht gebracht. Das macht mir Hoffnung! Und ich kann mit anderen zusammen ein Licht anzünden gegen die Angst, wie es manche Menschen schon abends um 19:30 Uhr tun, und das Licht auf den Balkon stellen. Ist das nicht ein Grund zum Singen?

Und ich bin nicht allein, weil wir als Menschen, die Jesus nachfolgen zu einer grossen Gemeinschaft gehören. Eine Gemeinschaft von Menschen, die immer wieder Freiheit geschenkt bekommen von der Angst. Denn das ist für mich eine der zentralen Botschaften Jesu: Fürchte dich nicht. Du kannst vertrauen, frei werden vom Festhalten an Gewohnheiten, Vorurteilen und Ängsten. Auch wenn Neues, Unbekanntes Dich herausfordert, kannst Du Dich getragen wissen durch Gott und durch andere.
Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die miteinander solidarisch sind, sich unterstützen, telefonieren, einkaufen gehen. Eine Gemeinschaft von Menschen, die eine Einheit bilden – den Leib Christi, wie der Apostel Paulus es beschreibt. Und diesen Leib, diese Einheit kann niemand zerstören. Auch wenn es jetzt so ist, dass wir nicht zusammenkommen können, sind wir dennoch eine Gemeinschaft und werden getragen voneinander und von Gott. Ist das nicht ein Grund zur Freude?

Im Laufe der Jahrhunderte ist dieses Lied vielen Menschen wichtig geworden. J. S. Bach zum Beispiel, der den Text mit Versen aus Römer 8 verknüpfte und eine Motette komponierte. Und seit langem schon ist es das Wochenlied zum Sonntag Lätare, den wir heute feiern. «Freut Euch» heisst Lätare übersetzt. Und an diesem Sonntag, mitten in der Fastenzeit, scheint die Osterfreude hindurch: mitten im (jetzt nicht freiwilligen) Verzichten und Fasten, im Leiden kommt dieser Aufruf: «Freut Euch!» Im Dunkel fängt ein Licht an zu leuchten. Jesus wird auferstehen. Er lebt, und wir mit ihm. Daran dürfen wir uns festhalten.

Bleiben Sie behütet und singen oder lesen Sie mit mir zusammen das Lied! Vielleicht mögen Sie mir Ihre Erfahrungen ja schreiben oder erzählen. Email-Adresse und Telefonnummer sind unter «Kontakte» zu finden.

Ihre Pfarrerin Lore Rahe Schopfer

Hier ein Link zum Hören des Liedes:

Audio-Link zu Jesu meine Freude

Lied_Jesu, meine Freude
Bereitgestellt: 21.03.2020     Besuche: 15 Monat
 
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