Sandra Altherr

Von Mani Matter zu Bruder Klaus

Mani Matter und Bruder Klaus

Mit profunder Sachkenntnis und Liebe zum Menschen hat uns der gebürtige Münsinger Pfarrer Bernhard Rothen am Mittwoch, den 18. Oktober 2017 geistreich-eloquent und spannend den legendären Liedermacher Mani Matter sowie den nicht minder legendären Einsiedler Niklaus von Flüh näher gebracht, uns beide regelrecht ans Herz gelegt.
Mark Lauper,
Männiglich mag sich fragen, wie die doch recht unterschiedlichen Männer zusammenzubringen sind, was die denn überhaupt miteinander zu tun haben. Da ein Innerschweizer Eremit aus dem Spätmittelalter und hier ein dezidierter Berner unserer Zeit. Pfarrer Rothen wagt den verbindenden gedanklichen wie faktischen Spagat. Und er gelingt. In erhellender Weise, ohne terrible simplification, weder idealisierend noch antinomisch. Vielmehr bezieht er dialektisch die Interessen dieser unterschiedlichen Männer aufeinander und zeigt so auf, wie beide in ihrer persönlichen Bescheidenheit Grosse ihrer Zeit sind, sie mehr denn das sind, wofür wir sie heutzutage oft halten: Den Einen als zwar kurligen, indes aufrichtigen Eidgenossen und den Andern als zwar witzigen doch eher harmlosen Verslischmied für Alt und Jung. Und so vergessen geht, was beide ganz und gar umgetrieben und miteinander verbunden hat, nämlich grundsätzliches Fragen um den Menschen an sich. Um das Geschöpf Mensch vor seinem Schöpfer, Gott. Was ist der Mensch? Wer bin ich? Im Hinblick auf den andern, hinsichtlich meiner selbst, vor Gott? Interessant daran: in ihrem Fragen und Suchen erweisen sich beide für Männer, die sich dem Wort Gottes stellen. Darum fragen sie auch: Wie hangen Glaube und Moral zusammen? Und kommen, je auf ihre Weise, zum gemeinsamen Schluss: ja, Gott und Mensch gehören ganz und gar zusammen, sind aber immer ebenso gar und ganz grundsätzlich voneinander verschieden. Aus dieser besonderen Verbundenheit gilt es in demokratischem Gehorsam aufs Wort und aufeinander zu hören. Dies wird zur Voraussetzung zur Erfahrung, welche einen sagen lässt: Ja, Gott spricht, bleibt freilich auf Distanz, lässt uns aber nicht allein.
Pfarrer Rothen ging es nicht darum, den einen heiliger und den andern frömmer, das heisst beide kirchlicher zu machen als sie es waren. Vielmehr möchten wir als zunehmend nervös gewordene kirchliche Gemeinschaft uns immer wieder angeregt nach dem fragen, was der Mensch eigentlich ist und was ihm vor sich und seinesgleichen wie auch vor Gott gut tut. Bruder Klaus und Mani Matter – eben nicht unähnlich.

Mark Lauper
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Bereitgestellt: 31.10.2017