Gemeindereise nach Andalusien, 6. - 14. Mai 2016

Regen in Südspanien ... (Foto: Willy Vogelsang)

Regen in Südspanien ... (Foto: Willy Vogelsang)

Haben Sie schon einmal Regen in Südspanien erlebt? Einen Wolkenbruch in Malaga, eine nebelverhangene Sierra Nevada, einen Platzregen in Granada oder ein Gewitter in Sevilla? Unsere Reisegruppe, bestehend aus knapp 40 Personen, hat in Andalusien wettermässig nicht nur eitel Sonnenschein erlebt. In den ersten Tagen war es regnerisch, gewitterhaft, windig und recht kühl. Die ausserordentliche Wetterlage (im Mai sollte eigentlich die Regenzeit vorbei sein), hat unsere Erfahrungen mitgeprägt, die wir in Andalusien gemacht haben. Aber abgesehen vom teilweise «ruppigen» Wetter – sehr gut für die Landwirtschaft (!!), weniger erfreulich für Touristen – haben wir ausschliesslich Positives auf unserer Reise in Südspanien erlebt.
Verena Schär,
Per Flugzeug sind wir von Zürich nach Malaga gereist. Von dort machten wir in neun Tagesetappen eine Rundfahrt mit einem Reisecar durch Andalusien. Wichtige Stationen auf der Reise waren: Granada mit der Alhambra, die Renaissancestädte Ubeda und Baeza, Cordoba mit der Mezquita (Kathedrale in einer Moschee), das Bergstädtchen Ronda mit seiner hohen Brücke, Sevilla mit den königlichen Palästen, der Kathedrale oder der Plaza de España, eine Sherry-Wein-Produktionsstätte mit Degustation in Jerez de la Frontera (fast am Atlantik), ein Tagesausflug mit Übernachtung auf Gibraltar, eine Fahrt entlang der Costa del Sol und Aufenthalt am Mittelmeer.
Auch die Reiseorganisation, für welche die «kultour Reisen AG» zuständig gewesen ist, hat in allen Teilen bestens geklappt. Besonders hervorzuheben ist die Reisebegleitung durch den spanischen Reiseführer Vicente Luis Alvarez, der uns kompetent und mit feinem Humor durch sein Land geführt hat. Wir konnten dabei wichtige Eindrücke von diesem kulturell, historisch, religionsgeschichtlich und landschaftlich reichen Land und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern gewinnen.
Ein paar TeilnehmerInnen haben Erfahrungen, die sie auf der Reise gemacht haben, in Kurzberichten beschrieben. Alle diese «Perlen» von unserer Andalusienreise, sowie weitere Bilder von Willy Vogelsang, sind anschliessend an diesen Kurzbericht aufgeschaltet. Einen ausführlichen Reisebericht mit vielen eindrücklichen Fotos hat Willy Vogelsang ausserdem auf der Website «seniorbern.ch», Rubrik Foren «unterwegs sein», Titel «Andalusien-Gibraltar oder Rain in Spain» gepostet.
Verena Schär

Mezquita-catedral de Cordoba
In Cordoba tauchten wir ein in den märchenhaften Säulenwald der Mezquita-Catedral, in die ehemalige Hauptmoschee aus der Epoche des maurischen Spaniens. 856 Säulein aus Jaspis, Onyx, Marmor und Granit tragen all die wunderschönen Hufeisenbögen aus rotem und weissem Stein. Es war dämmrig und still wie in einem Wald und das Licht, das zwischen den Säulen und durch die Fenster im Gebetsraum einfiel, wirkte umso schöner. Emire und Kalife von Cordoba haben die Moschee bauen lassen, auch – wie Herrscher das zu tun pflegen - als Zeichen ihrer Macht. Ursprünglich stand an diesem Platz am Fluss Quadalquivir die westgotische Kathedrale „St.Vinzenz der Märtyrer“. Im 8. Jh. haben die Muslime diese Kirche zerstört und mit dem Bau der Moschee begonnen. Als die Spanier 500 Jahre später Cordoba zurückeroberten, weihten sie die Moschee zur christlichen Kirche und stellten ein Kreuz auf das Minarett. In der Kirche liess König Alfons der Weise eine kleine Kapelle einbauen, ohne eine der kostbaren Säulen, die noch aus der Römerzeit stammen, zu entfernen. Diese Kapelle gliedert sich noch heute sehr gut in die Moschee ein und strahlt etwas von der Weisheit des Königs aus.
Im 16.Jh. bauten Bischöfe gegen den energischen Widerstand des Stadtrates von Cordoba, jedoch mit Billigung des Habsburger Kaisers Karl V, eine riesige Kirche in die Moschee ein. Die Kathedrale ist wie ein Paradox: störend und doch auch strahlend wie eine Waldlichtung. Die örtliche Kulturführerin sagte, wahrscheinlich wäre die Moschee ohne die Kathedrale nicht erhalten geblieben.
Auf dem Glockenturm, hinter dessen Mauern man noch das Minarett sehen kann, genossen wir eine herrliche Aussicht auf den weiten Vorhof der Moschee mit seinen grünen Orangen-Bäumen und den sprudelnden Brunnen sowie einen Panoramablick auf die Stadt.
Im Museum auf der anderen Seite des Flusses konnten wir die Weisheiten von arabischen und jüdischen Gelehrten und des christlichen Königs Alfons des Weisen in einem alten Wachtturm hören. Wir konnten nur staunen, wie offen und respektvoll sie den gegenseitigen Kulturen und auch der Gleichstellung von Frau und Mann gesinnt waren.
Leider wurde diese Blütezeit des Zusammenlebens verschiedener Kulturen und Religionen zuerst durch andere islamische Stämme, die in ihrer Gesinnung engstirnig waren und die Macht in Südspanien übernahmen und nachfolgend durch die christlichen Könige zerstört.
Die wunderbare Kuppel in der Moschee liess uns jedoch vom Himmel auf Erden träumen.
Mit Staunen haben wir auch die grüne, sanfthügelige Landschaft in Andalusien und die vielen Olivenbäume, Getreidefelder und Reben bewundert.
Marie Luise Rüegsegger


Überraschungen in Ronda
Am 5. Reisetag begrüsst uns Verena in der Morgenbetrachtung zu diesem „einmaligen Dienstag, 10. Mai 2016“. Wir sind gespannt.
Wir fahren von Cordoba aus ziemlich genau nach Süden in die Kleinstadt Ronda auf 723 m.ü.M. Vom Parkplatz aus gehen wir zu Fuss in die Stadt, weil die Strassen zu schmal sind für unseren Bus. Hier die erste Überraschung: Das Hotel Polo! Schon der kleine Eingangsbereich überrascht mit seiner schnörkellosen, gekonnten Einfachheit und im Zimmer sind wir hin und weg über so etwas von schön. Hier stimmt einfach alles: Das Blau/Weiss der Vorhänge, des Bodenbelags, der Badezimmerkacheln, das Weiss der sorgfältig restaurierten alten Holzmöbel. Über dem Bett bewundern wir das stark vergrösserte Aquarell eines spanischen Künstlers. Eine der Hotelbesitzerinnen sagt uns später, das Hotel habe ihr Vater 1974 erworben und renoviert. Seither wird es von der Familie betrieben. Sie seien 7 Besitzerinnen und Besitzer, verschwistert oder verschwägert. Ihr Bruder habe die Bilder - für jedes Zimmer ein anderes - gemalt. Chapeau!
Jetzt die zweite Überraschung: Die Sonne scheint und es regnet zwei Stunden nicht. Wir haben Zeit, die Altstadt auf dem Felssporn zu besuchen und die sensationelle Brücke aus dem 18. Jhd. zu fotografieren, welche die Altstadt mit der Neustadt verbindet.
Im Hotel gibt es ein abwechslungsreiches Nachtessen. Erst eine dicke Gemüsesuppe mit Kichererbsen in wunderschönen Keramikschüsseln und nachher zwei ausgestochene Kugeln vom sensationellsten Härdöpfelstock. Das zugehörige Stück Rindfleisch ist – na ja. Jetzt kommt die dritte Überraschung: Der Strassenmusiker. Wir hatten auf unserem Stadtrundgang einem wunderbaren Gitarristen zugehört. Genau dieser erscheint im Hotel mit seiner Gitarre. Verena und Esther waren ihm in der Stadt begegnet und hatten sich im Touristenbüro und im Sekretariat der Musikschule nach seiner Telefonnummer erkundigt. Er war zu Hause und bereit, für uns zu spielen. Erst etwas schüchtern und verkrampft, dann aber absolut wunderbar. Was für eine liebenswürdige Idee unserer Reiseleiterinnen. Wir staunen immer wieder über ihre Einfühlungsgabe, Phantasie und Tatkraft. Danke vielmal!
Susanne Zeindler

Südliche Gärten
Auf vielen Fotos aus den Gärten und Innenhöfen fehlt das Sonnenlicht, dafür glänzen die regennassen Blätter umso schöner. Das verleiht den Gärten eine Üppigkeit, wie man sie im Mittelmeerraum nicht unbedingt erwartet.
Bei jeder Reise in südlichere Gegenden überlegt der Hobbygärtner in mir, wie es wäre, hier einen Garten mit Blumen und Gemüse, aber auch Sträuchern und Bäumen sein Eigen zu nennen. Kein mühsames Überwintern von Kübelpflanzen, nein, Olive, Zitrone und Oleander wachsen einfach draussen. Keine Spätfröste zu fürchten bis ein paar Wochen vor dem längsten Tag.
Aber hört man da aus diesen Gegenden nicht auch von sengender Sonne, Hitze, Wasserknappheit? Nun, auf solche Gedanken kam in unserer Andalusienwoche kein Mensch...
Beat Maurer

Sevilla
Ein ganz besonderes High Light und ein unverhofftes dazu, erlebten wir in Sevilla. Wir waren nämlich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Drei Tage vor Pfingsten pilgern die Sevillaner nach El Rocio zur Jungfrau von Morgentau und zwar zu Hundertausenden. Wir waren dabei, als sich der Wallfahrtszug formierte. Zuerst kamen die Frauen zu Fuss. Wunderschöne Frauen mit langen Rüschenkleidern in allen Farben. Die Haare nach hinten gekämmt zu einem Pony mit schönen Kämmen und Blumen im Haar. Man wusste gar nicht wo überall schauen. Es war überwältigend. Dann kamen Männer und Frauen hoch zu Pferd, die Pferde und sich selbst bis zu letzten gestylt. Zuletzt kamen noch Karren getarnt mit Tüchern, gezogen von je zwei Ochsen. Für uns war es eine seltsame Angelegenheit. Wir hatten Glück, dies zu sehen … geplant war es nicht.
Margrit Gfeller

Freitag, 13. Mai
Auf unserer Reise durch Andalusien hatten wir bisher grandiose Städte wie Granada, Cordoba und Sevilla gesehen. Das Land war geprägt von Millionen von Olivenbäumen. Hügelauf, hügelab – Olivenbäume – soweit das Auge reicht. Wir fragten uns, wie die Olivenernte, die wohl grösstenteils Handarbeit ist, bewältigt werden kann. Sicher werden die Arbeiter aus Marokko, nebst dem Gemüse- und Obstanbau, auch hier zum Einsatz kommen.
Wir verlassen Sevilla und schon nach einigen Minuten Carfahrt befinden wir uns auf dem Land. Die Landschaft sieht jetzt ganz anders aus. Es ist flach, anstatt Olivenplantagen sehen wir Getreide- und schon bald auch die ersten Gemüse- und Sonnenblumenfelder. Die Bewässerung der Felder scheint hier unabdingbar. Die auf ca. 1m hohen Ständern verlegten Wasserrinnen aus Beton erinnern an die Suonen im Wallis.
Je näher wir Jerez de Frontera kommen, desto mehr Flächen sind mit Reben bepflanzt. In dieser Gegend werden vor allem die zwei Sorten, Palomino und Pedro Jimenez angebaut, die sich speziell für die Sherry-Produktion eignen.
Es ist zwar noch ziemlich früh, aber den Besuch einer Bodega, einer Weinkellerei, lassen wir uns jetzt nicht entgehen, schliesslich ist der Sherry ein Aperitiv-Wein. Die Firma Williams & Humbert produziert den berühmten Sherry-Wein, den die Engländer besonders lieben, aber in ihrer Heimat aus klimatischen Gründen nicht produzieren können. Der schmucklose Betonbau, steht ganz im Gegensatz zu den bisher gesehenen historischen Sehenswürdigkeiten. Zur kleinen Tür hinein – und schon sind wir in einer anderen Welt. Tausende von Eichenfässern, immer auf vier Lagen übereinander, Sandboden und das typische „Kellerei“-Klima. Das Gebäude scheint ein architektonisches Wunderwerk zu sein, das mit Verdunsten von Wasser auch im heissen Sommer die ideale Kellertemperatur einhalten kann. Die Betriebsführerin erklärt uns in perfektem Deutsch die Produktionsstufen. Da wird Wein mit Brandy versetzt, diverse Hefen für bestimmte Gärungsprozesse verwendet, der Wein von den obersten Fässern immer wieder in die darunter liegenden umgefüllt – und zuletzt die verschiedenen Sorten Sherry abgefüllt.
Nach einiger Zeit freuen wir uns darauf, die so ausführlich gerühmten Weine zu probieren. Die Weinproben und das grandiose Essen aus lauter spanischen Spezialitäten sind einfach super.
Dann der obligate Besuch im Shop und ein weiterer Höhepunkt: eine Reit- und Dressurvorführung mit Andalusiern. Eine Pferdeveranstaltung im Weinkeller können die meisten von uns zum ersten Mal miterleben.
Danach machen wir uns im Car auf die Weiterreise durchs „Land der Stiere“ mit dem Ziel Gibraltar.
Suzanne Berger

Gibraltar
Gibraltar begrüsst uns mit dem Ehrfurcht einflössenden Felsen und engen Gassen, durch die sich Autos, Busse, Motorfahrräder und Touristen zu Fuss bewegen. Gegen Abend lässt der Ansturm nach, und wir können die tolle Sicht vom Europa-Point nach Marokko, die eindrückliche Tropfsteinhöhle St. Michael's Cave, die herzigen Affen und die englisch anmutende Main Street geniessen. Auch die Sonne verwöhnt uns heute!
Hansruedi und Esther Kull

Reiseleitung
Ich möchte Verena und Esther ein Kränzlein winden für die liebenswürdige, wohltuende und freundschaftliche «Umsorgung und Betreuung» auf dieser so erlebnisreichen Reise. Sie beide waren die Seele der Gruppe. Verena mit ihren täglichen, treffenden, «gspürigen», aufzeigenden und zu Herzen gehenden Gedanken, die sie jeweils mit dem von uns allen Erlebten so feinfühlig verknüpft hat. Esther mit dem fürsorglichen Zählen im Car und mit den feinen Bettmümpfeli.
Es war einfach rundum schön und bereichernd und die Regenstunden sind bereits wieder vergessen. Sie gehörten ja halt als gegensätzliche Facetten zum Sonnenschein auch dazu und waren für die Landwirtschaft ein Segen. Mir wird das Ganze im Rückblick als wunderschöne Kostbarkeit in Erinnerung bleiben.
Erika Lehmann
Bereitgestellt: 03.06.2016    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch