Gemeindereise Griechenland

Burg Mykene, Löwentor (Foto: Willy Vogelsang)

Burg Mykene, Löwentor (Foto: Willy Vogelsang)

Wenn einer eine Reise tut …
So kann er was erzählen – so heisst es doch im bekannten Sprichwort. Wenn also 40 Personen eine Reise tun, dann können sie viel erzählen! Das gilt auch für die Gemeindereise nach Griechenland, die wir vom 8. – 17. Mai 2014 unternommen haben. Auf den Spuren des Paulus sind wir unterwegs gewesen, haben aber auch andere Sehens- und Erlebens-Würdigkeiten nicht unbeachtet links oder rechts liegen gelassen.
Verena Schär,
Bequem und schnell per Flugzeug reisend, haben wir die Distanz zwischen Zürich und Thessaloniki in relativ kurzer Zeit hinter uns gebracht. Am Zielort angekommen, sind wir von unserer griechischen Reiseleiterin empfangen worden. Sie hat uns dann kompetent und umsichtig während der ganzen Reise begleitet. Mit ihrem grossen Wissen, Organisationstalent und Engagement hat sie entscheidend dazu beigetragen, dass wir eine überaus reich-haltige Reiseerfahrung gemacht haben.
Die ersten drei Reisetage verbrachten wir in der Region Makedonien. Wir besichtigten die Stadt Thessaloniki, fuhren aber auch ostwärts bis nach Philippi (antike Stadt, die auch Paulus besucht hat und wo er unter anderem die Pupurhändlerin Lydia getauft hat) und machten einen Tagesausflug auf die Halbinsel Chalkidiki und dort eine Bootsfahrt der Halbinsel Athos entlang, auf welcher sich seit mehr als 1000 Jahren eine berühmte Mönchsrepublik befindet.
Am vierten und fünften Tag reisten wir durch Zentralgriechenland west- und südwärts. Zunächst besuchten wir Pella (ehemalige Hauptstadt Makedoniens und Geburtsort Alexanders des Grossen), Beröa und Vergina, wo das Grab – und vor allem auch der Grabschatz! – Philipps II. (Vater von Alexander d. Gr.) besichtigt werden kann. Der Höhepunkt am folgenden Tag war sicher der Besuch der Meteora-Klöster.
Am sechsten Tag galt unser Interesse einem wichtigen Zentrum der antiken Welt: Delphi. Wir besichtigten den Ort und die steinernen Zeugen, welche auch nach Jahrtausenden noch eindrücklich von diesem grossen und wichtigen Heiligtum künden. Nach einem Besuch in Osios Lukas (Klosterkirche aus dem 11. Jahrhundert, reich ausgestattet mit Mosaikbildern) führte die Reise hinüber auf Peloponnes. Auf dieser Fahrt passierten wir auch die grösste Schrägseilbrücke der Welt von Andirion nach Rion.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir auf Peloponnes, wo wir unter anderem die Paulus-Stadt Korinth besuchten und den Hafen Kenchrea, die Akustik des antiken Amphitheaters in Epidaurus testeten, im Asklepios-Heiligtum viel Wissenswertes über die antike Heilkunst erfuhren, uns beeindrucken liessen von der ältesten Burg Europas in Mykene und den Charme der Stadt Nafplion genossen.
Die letzten beiden Tage verbrachten wir in Athen und Umgebung, wo wir sowohl die moderne Grossstadt erlebten, wie auch einen eindrücklichen Ausflug in die Antike unternahmen (Akropolis-Hügel und Areopag, wo Paulus eine berühmte Rede gehalten hat, sowie das neue und sehenswerte Akropolis-Museum). Von Athen aus sind wir am 10. Reisetag sicher, sehr zufrieden und wohlbehalten wieder in die Schweiz zurückgekehrt.
Einige Mitreisende haben sich die Mühe genommen, zu irgend einem Erlebnis oder Aspekt der Reise ein paar Zeilen zu Papier zu bringen – vielen Dank!
Verena Schär

Griechenlandreise
Am 8. Mai, morgens um 7 Uhr, fanden sich fast 40 Personen aus unserer Kirchgemeinde am Bahnhof Münsingen ein, um zusammen die Reise nach Griechenland anzutreten! 40 Menschen ganz verschiedener Herkunft, die sich zu Teil schon kannten oder neu kennen lernten. Ich verzichte hier auf eine Aufzählung all der Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtigen Grössen und möchte vor allem herausstreichen, was für eine tolle Gruppe sich da zusammengefunden hat. Auch wenn wir manchmal kräftemässig an unsere Grenzen kamen, blieb die Gruppe souverän und ausgeglichen. Ein reifes Publikum. Die beiden Begleiterinnen V. Schär und E. Neuenschwander mit ihrem Einsatz zu unserem Wohl haben da massgeblich beigetragen. Letztlich kommt es aber auf jedes Einzelne an.
Elisabeth Vogelsang

Kulturreise nach Griechenland
Wie wir uns das bereits von früheren Reisen gewohnt sind war auch diese Reise durch Griechenland gut geplant und erfolgreich durchgeführt worden. Pfarrerin Verena Schär und Vizepräsidentin des Kirchgemeinderates Esther Neuenschwander sorgten hervorragend für das Wohlbefinden der Reiseteilnehmerinnen und Reiseteilnehmer. Der griechischen Reisebegleiterin, die übrigens perfekt Deutsch sprach, gelang es ihre Begeisterung für ihre Heimat auf die Reiseteilnehmerinnen und Reiseteilnehmer zu übertragen. Wir wurden nicht selten in Zeiten vor Christi Geburt versetzt. Von den vielen Eindrücken möchte ich nur zwei herauspicken.
An der Stelle in Philippi, wo die Purpurhändlerin Lydia (Apg. 16, 14.15) getauft wurde, wies uns die Reisebegleitern auf Details in der Kapelle hin, die wir als gewöhnlich Reisende niemals beachtet hätten. Obschon nur noch Steine zu sehen waren beeindruckte mich der AREOPAG in Athen, Versammlungsort des obersten Athener Gerichtshofs. Hier sassen die Richter erhöht gegenüber den Angeklagten. Begründung: Die Richter wollten nicht die gleiche Luft einatmen müssen wie die Angeklagten!
Vieles mehr wird mir noch lange in guter Erinnerung bleiben. Ein ganz herzlicher Dank gebührt Verena und Esther, die uns mit dieser Reise einmal mehr einen unvergesslichen Leckerbissen offeriert haben.
Hans Walther

Dienstag, 13. Mai 2014 – Besuch in Delphi
Heute besuchten wir das Zentrum, den Nabel der Heiligtümer des alten Griechenland, die Stätte des Orakels und des Apollotempels in Delphi.
Delphi ist terrassenförmig am Berg angelegt. Erste Spuren einer Siedlung fand man 4000 v. Chr. Die nachweisbare Verehrung der Erdgöttin Gaia und des Drachen Python geht ins Jahr 1500 v. Chr. zurück. Die beiden sollten das Orakel beschützen. Menschen fragten bei schwierigen Entscheidungen das Orakel um Rat. An dieser Stätte fanden seit dem Jahr 582 v Chr. Alle 4 Jahre die Pythischen Spiele statt, sicher ein Vorläufer der heutigen olympischen Spiele. Der Sieger bekam einen Lorbeerkranz sowie einen Ölzweig als Auszeichnung. Die ganze Anlage ist riesengross. Ganz oben ist das Laufstadion mit den Zuschauertreppen in der Laufrichtung. Die Laufstrecke für die Wettkämpfer war 178.23 Meter lang.
Der olympische Gedanke und auch der Laufsport haben mich seit meiner Schulzeit begleitet. Dank unserer wunderschönen Reise ist mein Traum, die Urstätte in Delphi zu besuchen, in Erfüllung gegangen.
Fredy Beer

In Agamemnons Reich
Wir fahren nach Mykene zur ältesten Burg Europas. Die Ilias, der trojanische Krieg, Agamemnon, Iphigenie, Menelaos, die schöne Helena, Schliemann und seine junge Frau Sophia – alle diese Sagen, Mythen und Geschichten, welche seit Jugendjahren unsere Fantasie beflügelt haben, gehen uns durch den Kopf auf der Busfahrt durch die Ebene von Argos. Jetzt sind wir „da“.
Zwischen zwei kegelförmigen Bergen sehen wir auf einem Hügel die Reste der mächtigen Stadtfestung. Von hier überschaute und kontrollierte man den Landweg zwischen dem Peloponnes und dem Isthmus von Korinth. Schon seit 5‘500 Jahren, denn die ältesten Zeugen der Besiedlung (jungsteinzeitliche Scherben) datieren von 3500 v.Chr. Mit dem Schub einer grossen Völkerwanderung von der Donau her nach Süden kam ein Volk mit starken, umsichtigen und rücksichtslosen Führern ins Land. Die hielten ihre Stellungen von Athen bis zum Peloponnes. Mykene war eine ihrer mächtigsten und erlebte ihre grösste Blütezeit vom 15. bis zum 11. Jahrhundert v.Chr. Die Stadt blieb bis ins 5. Jahrhundert ununterbrochen bewohnt.
Der Hauptweg hinauf zur Burg führt zum Eingang mit dem berühmten Löwentor. Die Mauer besteht aus tonnenschweren Sandsteinblöcken, das Entlastungsdreieck für den Torbogen ist mit dem einzigartigen Löwenrelief verkleidet. Rechts und links von einer Säule stehen zwei Löwen auf den Vorderpranken und strecken sich bis zum Dachgebälk hinauf. Die Köpfe fehlen. Man nimmt an, dass sie aus Bronze gearbeitet waren. Nach dem Tor stehen wir über dem Gräberkreis, den Heinrich Schliemann 1876 ausgegraben hat.
Soula erzählt, dass die massiv befestigte Burg hoch oben auf der Kuppe meterhoch aus riesigen Blöcken gebaut gewesen wäre, völlig fensterlos, nur von oben sei durch Öffnungen im Dach etwas Licht in die Räume gedrungen. Warum verschanzten sich die Mykener denn so masslos? Soula meint, dass sie sich vor Racheakten anderer Völker gefürchtet hätten. Dass diese ähnlich brutal dreinschlagen könnten wie sie.
Hier kommt uns Schliemann in den Sinn. Dieser geniale, etwas verschrobene erste Feldarchäologe, welcher, mit Homers Ilias als Landkarte in der Hand, mit Leidenschaft und Fantasie die sagenhaften Stätten Troja und Mykene fand. Hier stiess er auf einen in der Ilias erwähnten Versammlungsplatz mit einem Aussendurchmesser von 30 Metern. Er fand 5 prunkvolle Schachtgräber mit goldenen Totenmasken und wertvollen Grabbeigaben. Er telegrafierte dem griechischen König, er hätte das Grab des Agamemnon und seiner Familie gefunden. Die 13 Kilogramm an Goldschätzen, die er gehoben hatte, legte er seiner schönen jungen Frau in den Schoss und liess sie fotografieren. Das kann man sich hier mühelos vorstellen!
Vielleicht war es ja das Grab Agamemnons, des Mykenerfürsten, aber der wunderbare Goldschmuck, die kostbaren Glasgefässe , der Nestorbecher und alle anderen Preziosen waren mindestens 300 Jahre älter und aus Knossos auf Kreta von den Mykenern gestohlen worden. Wir verstehen, warum sich die Mykener hier verschanzten.
Wir steigen glücklich bis zuoberst auf den Stadthügel. Jetzt hat’s fast keine Touristen mehr, aber wir finden noch eine junge Russin, welche uns auf einem mehrtausendjährigen Steinblock fotografiert.
Susanne Zeindler

Reise – Gemeinschaft
Es hat sich herumgesprochen, dass die Gemeindereisen der Kirchgemeinde Münsingen, organisiert und geleitet von Verena Schär und Esther Neuenschwander be-geistern. Die Kulturreise nach Griechenland vom 08.-17.05.2014 ist eine Bestätigung.
Was hat zum rundum guten Gelingen beigetragen?
Es war vorab der ganze Rahmen, dem die Teilnehmenden zusagen und sich darin bewegen konnten, so das Thema „Griechenland, auf den Spuren des Apostels Paulus“, die Geschichte dieses Griechen-Landes, die Begleitung von Verena Schär mit rundenden Worten am Abend und am Morgen zum Tag, die Fürsorge von Esther Neuenschwander, die ihre Gruppe im Auge behielt, die ausgezeichnete Fremdenführerin Zula mit ihrem vorbildliche Deutsch und ihrem breiten Wissen um Land, Geschichte und Archäologie , auch dank Wassili, dem ruhigen und sicheren Carchauffeur.
Dann aber ist es die Reise-Gemeinschaft in ihren gemeinsamen Teil-nehmen, im gemeinsamen Unterwegssein, im Aufnehmen und Austauschen während dem Reise- Alltag. Da entstand bereicherndes Mitteilen im Wissen, Weiterdenken und Beobachten. Beim Betrachten grossartiger Tempelanlagen und weitflächigen Ausgrabungen fragten wir uns oft, wie die einfachen Menschen damals gelebt hatten. Wie hatten sie wohl gegessen, geliebt, gehasst, gelernt, gebetet, gesungen … („ …es sind die Menschen, nicht die Häuser, die Städte aus-machten…“; Fuller, engl. Historiker, 17.Jahrhdt.). Wir bewunderten die Aussicht auf die Ebenen, die Hügel und das Meer, die Bäume mit den Zitrusfrüchten, den gelb-gelben Ginster am Wegrand, die Rosen vor altem Gemäuer, den tiefroten Mohn, die blühenden Judasbäume und die prächtigst blühenden Bouganvillea; wir konnten den runden Geburtstag einer Freundin gemeinsam feiern; beim Abstieg vom Aussichtsberg über z.T. glatten Steinen gab es spontane Unterstützung und bei den Magen-Darm-Problemen erste Hilfe. Dennoch, dem griechischen Essen in den Hotels und Tavernen konnten wir Lob spenden und ob speziellen Zutaten in den Gerichten rätseln.
Der „Reise-Alltag“ in Gesinnungs-Gemeinschaft, am Rande des Wissens um alte Geschichte, Mythen und Sagen, die uns lange , immer wieder beschäftigen werden , er bleibt im Blick zurück in wohltuender Erinnerung an euch alle, die ihr mit dabei wart!
Ursula Schütz

Weitere Fotos von Willy Vogelsang www.seniorweb.ch/content/hellas-eine-reise-die-antike
Bereitgestellt: 12.08.2014    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch